Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige

Man muss es nicht allein schaffen

Diplom-Psychologe Horst Merkel

Barsinghausen/Region.

Demenzbetroffene zu Hause zu betreuen und zu pflegen oder in einer Pflegeeinrichtung zu begleiten, ist eine anstrengende und aufopferungsvolle Aufgabe. Angehörige, mithelfende Freunde und Unterstützer geraten an ihre körperlichen und seelischen Grenzen. Die eigenen Bedürfnisse müssen zurückgestellt werden. Der Alltag verändert sich nachhaltig.

„Um diese Aufgabe erfolgreich zu meistern, sind viele Informationen zu sammeln und zu verarbeiten“, sagt Diplom-Psychologe Horst Merkel, der seit vielen Jahren die Selbsthilfe Demenz-Gesprächskreise der Ortsvereine der AWO Region Hannover in Barsinghausen und Sehnde begleitet. Zu den monatlichen Treffen kommen Ehepartner und Kinder der Betroffenen, aber auch Freunde, Nachbarn und Pflegekräfte. „Zu einem Teil betreuen die Angehörigen die betroffene Person zu Hause, davon teilweise mit Unterstützung durch andere Familienmitglieder, manchmal auch durch Freunde oder Nachbarn“, berichtet Merkel. Andere engagierten ehrenamtliche Hilfen über ambulante Pflegedienste beziehungsweise nehmen die ambulanten Pflegedienste selbst in Anspruch. In einigen Fällen besuche der demenzbetroffene Angehörige ein- oder mehrmals in der Woche eine Tagesgruppe oder die demenzbetroffene Person lebe bereits in einer stationären Pflegeeinrichtung. „Alle Teilnehmenden sind dankbar, wenn sie bei uns in den Gesprächskreisen anonym Hilfe bekommen“, so Merkel. Sie tauschten sich hier in einem geschützten Rahmen über ihre Fragen, Probleme und Erfahrungen im Umgang mit einem durch Demenz veränderten Menschen aus. Dabei gehe es um die Gestaltung des Zusammenlebens zu Hause, um die Organisation von Hilfen zur Pflege, die Kostenregelungen, die Auseinandersetzungen mit Ärzten, Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen und auch mit anderen Familienangehörigen, Freunden oder Nachbarn“, erklärt Merkel.

Auch Scham sei ein Thema - wenn beispielsweise der Verlust der geistigen Fähigkeiten beim demenzbetroffenen Angehörigen nach außen bekannt werde. Zentrale Themen seien die emotionalen Herausforderungen, die diese Veränderungen an die Beziehungen der Ehepartner stellen. „In den Gesprächskreisen fühlen sie sich nicht allein mit ihren Problemen und erleben, dass es anderen Menschen ähnlich geht“, sagt Merkel. Häufig hätten die pflegenden Angehörigen dies schon längere Zeit mit sich selbst ausgemacht. „Aus vielen unterschiedlichen Gründen“, wie Merkel betont, „die ganz individuell aber auch gesellschaftlich bedingt sein können.“ Der Gesprächskreis existiert in Sehnde schon seit 2001 und der in Barsinghausen seit 2003. Vor der Corona-Pandemie wurden die Treffen in der Regel von 8 bis 13 Teilnehmenden besucht. Im Juni mussten die Termine bereits das dritte Mal abgesagt werden, weil die Stadt Sehnde aufgrund der Kontaktbeschränkungen die Begegnungsstätte in der Peiner Straße geschlossen halten muss. In Barsinghausen befindet sich der Treffpunkt in einer stationären Pflegeeinrichtung, die von externen Personen aus Schutzgründen nicht besucht werden darf. „Während dieser Zeit hatten die Teilnehmenden die Möglichkeit, uns anzurufen, wenn sie mit uns sprechen wollten“, erzählt Merkel. Das hätten bisher aber nur wenige wahrgenommen.

„Meine Erfahrungen aus den vergangenen Jahren zeigen, dass die pflegenden Angehörigen sich in der aktuellen Situation eher wieder auf die frühere Verhaltensweise - man müsse das dann auch alleine schaffen - zurückziehen“, bedauert Merkel. „Aber gegenseitige Beratungen in Telefongesprächen der Teilnehmenden untereinander finden sicherlich auch statt.“ Seit Juni ist ein persönlicher Gesprächskontakt unter Einhaltung der Abstandsregeln wieder möglich.

Zurzeit klären die Organisatorinnen die Möglichkeit, dass die Treffen im Juli wieder starten können.

Kontakt:

Selbsthilfe-Gruppe AWO Ortsverein Barsinghausen

Ingrid Wollenhaupt, Tel. 05105-63967 und Horst Merkel, Tel. 0511-5463849

Selbsthilfe-Gruppe AWO Ortsverein Sehnde

Birgit Luck, Tel. 05138-503169 und Horst Merkel, Tel. 0511-5463849