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Ehemaliger Strafgefangener hilft Neuntklässlern der LTS

Wie fühlt es sich an, wenn die Welt kleiner als acht Quadratmeter groß ist?

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Kirchdorf/ Barsinghausen.

"Seit wann sind Sie aus dem Gefängnis raus? Hat Ihre Familie Sie verstoßen?" Zwei Fragen, die den Neuntlässlern so unter den Nägeln brennen, dass sie darüber fast das Pausenklingeln vergessen. Zwei Doppelstunden lang haben sie Unterricht bei einem ehemaligen Häftling. Lisa Fricke, die in der Klasse Werte und Normen unterrichtet, hat Benni bereits zum zweiten Mal an die Lisa Tetzner Oberschule nach Barsinghausen geholt.

Seit zwei Jahren ist der 41jährige Benjamin Targan auf freiem Fuß. Schon während seiner Haft engagierte er sich für den Verein "Gefangene helfen Jugendlichen". Jetzt ist er dort angestellt und leistet Präventionsarbeit bei Klassen wie der 9a.

" Was heißt das Wort ´Prävention`?" fragt Benni die Jugendlichen in der ersten Runde. Und dann erzählt er, dass jeder sich für ein bestimmtes Leben entscheide. "Wer nichts kann, der kann noch als schlechtes Beispiel dienen". Er selbst habe insgesamt acht Jahre gesessen, einmal zweieinhalb, einmal fünfeinhalb Jahre, wobei er beim zweiten Mal wegen guter Führung früher freigekommen sei, eigentlich wären es acht gewesen. Und dann lässt er die Schüler raten, für welche Delikte er ins Gefängnis musste.

Das ist der Einstieg, um mit den Jugendlichen über zahlreiche Straftaten zu sprechen, ob Benni sie nun begangen hat oder nicht. Das reicht von unterlassener Hilfeleistung, über Diebstahl, Notwehr, Drogenhandel, Raub, schwere Körperverletzung bis hin zum Mord. Die Schüler schlucken, als der Ex-Häftling erzählt, wie ein Kollege von ihm viele Jahre ins Gefängnis musste, weil er bei einem CD-Diebstahl ein Messer bei sich trug. Dann spielt er mit den Schülern eine Vernehmung durch die Polizei im Rollenspiel durch.

Warum man mit 14 Jahren strafmündig sei, fragt Benni die Jugendlichen:"Na, da weiß man doch in der Regel, was richtig oder falsch ist", erklärt er und dass zehn Jahre die Maximalstrafe für Jugendliche sei. "Jugendvollzug ist das Schlimmste überhaupt. Jeder, der dort als Täter reinkommt, wird auch zum Opfer." Und dann erzählt Benni, wie das Leben ohne Handy, mit überwachten Besuchskontakten und auf acht Quadratmetern ist: " Mit Klo, Tisch, Stuhl, Bett und Schrank wohlgemerkt," und positioniert die Schüler entsprechend im Raum. "Jeder denkt, mich kriegen sie nicht, ich bin viel zu schlau, aber irgendwann erwischt es jeden." 

"Ist jemand von euch schon mal über eine rote Ampel gelaufen? Warum gibt es solche Regeln? Natürlich, weil wir etwas dabei lernen sollen." Benjamin Targan sitzt auf dem Tisch und blickt in die Runde."Gibt es eine Rechtfertigung für das Begehen von Straftaten?" fragt der Ex-Häftling? " Nein", sagt Benni, auch wenn vor Gericht eine schwere Kindheit, falsche Freunde oder andere Gründe zur Entlastung des Täters angeführt werden.

" Ich habe asozial gehandelt," so urteilt Benni über seine eigenen Taten, die er unter dem Pseudonym Salvatore Caruso begangenhat - und dass er damit leben muss, dass er Menschen zu Opfern machte. Er begann seine kriminelle Karriere mit dem Diebstahl von Energiesparlampen in einem Baumarkt. Am 7. Juli 2012 "ein Datum, das ich wie meinen Geburtstag kenne", wurde er dann in Spanien mit 300 Kilogramm Kokain festgenommen.

Die Schüler hören gebannt zu, antworten, stellen ihre Fragen, spielen mit. Die zwei Doppelstunden vergehen wie im Flug. Im Werte- und Normen Unterricht werden sie später über das Thema "Gewissen" sprechen. Lehrerin Lisa Fricke wünscht sich, dass alle neunten und zehnten Klassen Unterricht mit einem (Ex-) Häftling erleben können. Und dass der ein oder andere Schüler vielleicht auch die Justizvollzugsanstalt (JVA) mit einem Mitarbeiter von ´Gefangene helfen Jugendlichen´ besuchen kann. Die LTS-Lehrerin will bei der Stadt Barsinghausen anfragen, ob diese dafür Geld zur Verfügung stellt.  

 

 

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