"Tinnitus? Ich kenne da jemanden"

Gesundheit.

Mehr als drei Millionen Menschen in Deutschland leiden an Tinnitus, die Krankheit ist lĂ€ngst in der Gesellschaft angekommen. Anlass fĂŒr den "4. Tinnitus-Tag der Deutschen Hörakustiker", der in Frankfurt am Main stattfand. An der interdisziplinĂ€ren Fachtagung der Bundesinnung der Hörakustiker (biha) nahmen ĂŒber 100 Experten aus der ganzen Bundesrepublik teil. Schwerpunkt der FachvortrĂ€ge und der Podiumsdiskussion in diesem Jahr: Wahrnehmung, Verhalten und Emotionen der Tinnitus-Betroffenen.

Nach der BegrĂŒĂŸung durch Jakob Stephan Baschab, dem HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer der biha, ĂŒbernahm Gabriele Gromke die Moderation. Sie ist Vize-PrĂ€sidentin der biha, Hörakustiker-Meisterin und Spezialistin in der Tinnitus-Versorgung durch Hörakustiker.

Siegrid Meier, Dozentin der Akademie fĂŒr Hörakustik (afh), und Brigitte Seefeld, Hörakustiker-Meisterin, sprachen ĂŒber "Tinnitus und Verhaltenstherapie beim Hörakustiker - Grundlagen und praktische Aspekte". Sie schĂ€tzen die AufklĂ€rung als eine der wichtigsten Aufgaben des Hörakustikers ein. Die Informationen, wie das Ohr funktioniert und wie Tinnitus entsteht, machen ihn fĂŒr den Betroffenen erfassbar und lindern das GefĂŒhl des Ausgeliefertseins. Hörakustiker beraten ĂŒber geeignete Maßnahmen und geben - neben technischer Hilfe durch Tinnitus-GerĂ€te und Hörsysteme - konkrete Lebenshilfe im tĂ€glichen Umgang mit dem störenden GerĂ€usch.

Den klinischen Aspekt lieferte Dr. Roland Zeh, Chefarzt der Fachklinik fĂŒr Hörstörung, Tinnitus, Schwindel und Cochlea-Implantate der Median-Kaiserberg-Klinik: "Tinnitus und Wahrnehmung - eine klinische Betrachtung". Er stellt Tinnitus als einen Tiger dar, der, anders als ein Schoßhund, nicht unbeachtet im Körbchen in der Ecke schlĂ€ft. Einen Tinnitus-Tiger lĂ€sst man aus Angst nicht aus den Augen. Angst ist eines der grĂ¶ĂŸten Probleme dieser Erkrankung. Also geht es darum, den Betroffenen die Angst vor dem Tinnitus zu nehmen. Erst dann ist es möglich, Tinnitus zu kompensieren. Der positive Umgang mit dieser Krankheit macht den Alltag des Patienten erheblich einfacher.

Diesen Ansatz zeigte auch Dr. Lars Haab vom Neurocenter der UniversitĂ€t des Saarlandes, Bereich Neurowissenschaft & Neurotechnologie auf. Er informierte ĂŒber die neuronalen VorgĂ€nge: "Entstehung von Tinnitus aus neuronaler Sicht - Implikationen fĂŒr die Verhaltenstherapie in der Tinnitusbehandlung". Aus der Sicht eines Betroffenen und als Vorsitzender der Deutschen Tinnitus-Liga (DTL) trug Volker Albert sehr viel ĂŒber die emotionalen Belastungen bei: "Tinnitus und Emotionen - Wie wirken sich Tinnitus und Co. auf die emotionale Befindlichkeit der Betroffenen und ihre Umgebung aus?" Dabei ging es auch um die Rolle der Partner der Tinnitus-Betroffenen.

Der Tinnitus-Tag ist vor vier Jahren parallel mit der von der biha verfassten bundesweit geltenden Leitlinie zur Tinnitus-Versorgung der Hörakustiker implementiert worden. Auf der jĂ€hrlichen Fachtagung können sich Hörakustiker, HNO-Ärzte, Therapeuten sowie alle, die in die Versorgung von Tinnitus-Patienten involviert sind, austauschen und weiterbilden.

Zum Hörakustiker-Handwerk: In Deutschland gibt es etwa 5,4 Millionen Menschen mit einer indizierten Schwerhörigkeit. Tendenz steigend. Schwerhörigkeit zÀhlt zu den zehn hÀufigsten gesundheitlichen Problemen. Mit 6.200 Hörakustiker-Betrieben und etwa 14.500 Hörakustikern versorgt das Hörakustiker-Handwerk etwa 3,5 Millionen Menschen in Deutschland mit qualitativ hochwertigen, volldigitalen Hörsystemen. Die Bundesinnung der Hörakustiker (biha) KdöR vertritt die Interessen der Hörakustiker in Deutschland.