Psychopharmaka & Co. – weniger ist mehr!

Rund 110 Gäste erlebten informative und impulsgebende Vorträge im Sozialzentrum der KRH Psychiatrie Wunstorf.

Gesundheit / Wunstorf.

Es geht auch mit weniger: Weniger Zwangsmaßnahmen, geringer dosierte Psychopharmaka und weniger stationäre Aufenthalte. Da sind die drei großen Botschaften einer Fachtagung der KRH Psychiatrie am vergangenen Mittwoch. Hochkarätige und bundesweit bekannte Referenten berichteten über zeitgemäße und zukunftsweisende Konzepte in der psychiatrischen Versorgung. Die rund 110 anwesenden Ärzte, Psychologen, Psychotherapeuten, Pflegekräfte und Gäste erlebten drei spannende und informative Vorträge.

Dr. Peter W. Nyhuis, Chefarzt und Ärztlicher Direktor des St. Marien Hospital Eickel in Herne, berichtete von der erfolgreichen Umsetzung der Prinzipien der offenen Psychiatrie innerhalb seines Hauses – vom allgemeinpsychiatrischen Grundsatz, durch den Patienten nicht mehr anhand von Fachrichtung und Schweregrad selektiert, sondern in weitgehend heterogen belegten Stationen unterbracht sind, über starke Partizipation von derzeitigen und ehemaligen Patienten durch Delegiertenversammlungen und ehrenamtliche Tätigkeiten bis hin zu erstaunlich geringen Abbruchszahlen. Dies alles finde, so betonte Dr. Nyhuis, unter denselben ökonomischen Rahmenbedingungen aller Häuser statt und beruhe vor allem auf organisatorischen Veränderungen über viele Jahre hinweg.

Weniger ist mehr galt vor allem auch für den lebhaften Vortrag von Dr. Volkmar Aderhold vom Institut für Sozialpsychiatrie der Universität Greifswald, der verdeutlichte, wie kontraproduktiv hohe Dosierungen von Neuroleptika sein können – sowohl für den Therapieerfolg als auch hinsichtlich der dadurch erhöhten Nebenwirkungsrate. Hierbei gab es ganz konkrete Hinweise, in welchem Maße sich die Dosierung der Präparate verändert hat und mit welchen Werten und Herangehensweisen eine Dosisfindung heute im besten Fall vorzunehmen sei. Der Schlüssel zum Erfolg bei der Findung der möglichst niedrigen Dosierung sei vor allem Geduld und der Faktor „Zeit“ in der Behandlung, so Dr. Aderhold.

Dr. Barbara Bornheimer, Leitende Ärztin der Vitos Klinik Bamberger Hof, berichtete von den großen Erfolgen, die Ihr Haus bereits seit vielen Jahren im Gebiet der ambulanten Akutbehandlung im häuslichen Umfeld verzeichnet. Dabei wurde sehr deutlich, welche Chancen sich hier im Vergleich zur stationsgebundenen Therapie auftun und welche Rahmenbedingungen hierfür gesetzt sein müssen.

Der Ärztliche Direktor der KRH Psychiatrie Wunstorf, Prof. Dr. Marcel Sieberer, zeigte sich sichtlich erfreut über den fachlichen Input: „Die Stärke unserer drei Referenten ist vor allem ihre Praxiskompetenz. Durch sie gewinnen wir konkrete Hinweise und Impulse für die Weiterentwicklung unserer Versorgungsangebote.“