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Ein Jahr medizinisches Cannabis

Gesundheit.

Ein Jahr "Cannabisgesetz": Seit dem 10. M├Ąrz 2017 k├Ânnen ├ärzte ihren schwerkranken Patienten im Einzelfall Cannabisbl├╝ten als Rezepturarzneimittel verordnen. "Vor allem f├╝r Patienten, die zuvor Cannabis ├╝ber eine Ausnahmegenehmigung bezogen haben, hat sich seitdem viel verbessert", sagt Dr. Andreas Kiefer, Pr├Ąsident der Bundesapothekerkammer. Er ist au├čerdem Vorsitzender der Kommission Deutscher Arzneimittel-Codex / Neues Rezeptur-Formularium (DAC/NRF-Kommission). "Erstens werden die Patienten nicht mehr mit der Dosierung und Anwendung allein gelassen. Denn die Apothekerschaft hat im DAC einheitliche Qualit├Ątskriterien f├╝r Cannabisbl├╝ten definiert und im NRF Anwendungshinweise erarbeitet. Zweitens ist es f├╝r viele Patienten deutlich preiswerter geworden. Bei einer Genehmigung der Krankenkasse f├Ąllt nur noch die Zuzahlung an, die auf maximal zehn Euro pro Medikament begrenzt ist. Drittens k├Ânnen Patienten ihre Cannabis-Verordnungen bundesweit in jeder Apotheke einl├Âsen."

Insgesamt haben die Apotheken 2017 zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) rund 44.000 Einheiten Cannabis-Bl├╝ten abgegeben. "Die Tendenz war von Quartal zu Quartal steigend, sowohl bei Rezepten als auch bei den Abgabeeinheiten", sagt Kiefer, der auch Vorstandsvorsitzender des Deutschen Arzneipr├╝fungsinstituts (DAPI) ist. Das DAPI hat die GKV-Verordnungen ausgewertet: Im 1. Quartal, also vom 10. bis 31. M├Ąrz, belieferten die Apotheken 488 Rezepte mit 564 Abgabeeinheiten. Im 2. Quartal waren es 4615 Rezepte mit 10.055 Abgabeeinheiten, im 3. Quartal 8.898 Rezepte mit 14.777 Abgabeeinheiten und im 4. Quartal 12.717 Rezepte mit 18.828 Abgabeeinheiten. Verordnungen auf Privatrezepten wurden vom DAPI nicht erfasst.

Kiefer: "Das DAPI ermittelt aus Datenschutzgr├╝nden nicht, wie viele Patienten Cannabisbl├╝ten erhalten haben. Unsere Zahlen legen aber die Vermutung nahe, dass es inzwischen deutlich mehr sind als die etwa 1000 Patienten, die vor dem Inkrafttreten des Gesetzes eine Ausnahmegenehmigung hatten. Cannabisrezepturen sind also zumindest teilweise im Versorgungsalltag angekommen."