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Region Hannover legt dritten Pflegebericht vor

Berichtsautor Jörg Gapski (v.l.) aus der Sozialplanung der Region Hannover, Tanja Krug, stellvertretende Teamleitung Hilfe zur Pflege, und Erwin Jordan, Dezernent fĂŒr Soziale Infrastruktur der Region Hannover, bei der Vorstellung der zentralen Ergebnisse des dritten Pflegeberichts.

Region / Gesundheit / Generation Gold.

Obwohl die Anzahl der Menschen mit Pflegebedarf kontinuierlich steigt, liegt die Auslastungsquote bei den stationĂ€ren PflegeheimplĂ€tzen regionsweit bei nur rund 86 Prozent. Zugleich wĂ€chst aber der Bedarf an ambulanten Pflegeangeboten in der Region, die Senioren bedarfsgerecht in ihrem hĂ€uslichen Umfeld versorgen und begleiten. Das geht aus dem dritten Pflegebericht der Region Hannover vor, den Erwin Jordan, Dezernent fĂŒr Soziale Infrastruktur der Region Hannover, am Mittwoch vorgestellt hat.

„Die Ergebnisse des dritten Pflegeberichts zeigen, dass es ein grundlegendes Umdenken in der Pflegerischen Infrastruktur geben muss. Die andauenden ÜberkapazitĂ€ten und die daraus resultierende zunehmende Unterauslastung der Heime belastet die Einrichtungen sehr – wirtschaftlich steigt der Druck, was sich auf die Arbeitssituation des Personals negativ niederschlĂ€gt“, so Regionsrat Erwin Jordan. „Die niedrige Auslastungsquote ist ein Indiz dafĂŒr, dass am tatsĂ€chlichen Bedarf vorbei gehandelt und investiert wird.“

DarĂŒber hinaus kommt der Bericht zu dem Ergebnis, dass rund 40 Prozent der Pflegeheimbewohnerinnen und -bewohner nur geringfĂŒgig pflegebedĂŒrftig sind – ehemals Pflegestufe 1 – und „viele von ihnen eigentlich ambulant betreut werden könnten, wenn es mehr unterstĂŒtzende Angebote im nĂ€chsten Wohnumfeld der Betroffenen geben wĂŒrde“, stellte Jordan heraus. Zwar helfe das neue Zweite PflegestĂ€rkungsgesetz beim zunehmenden Ausbau ambulanter Tagespflegeangebote, jedoch „fehlt es an KomplementĂ€rangeboten fĂŒr die Hilfe im Alltag wie die Haushaltshilfe oder Fahr- und Begleitdienste in lĂ€ndlicheren Gebieten der Region“, unterstrich Jordan.

„Ambulant vor stationĂ€r“ – Menschen im Alter dabei unterstĂŒtzen, so lange wie möglich selbstbestimmt und unabhĂ€ngig im eigenen Zuhause leben: Das ist das vorrangigste Ziel in der Hilfe zur Pflege der Region Hannover. DafĂŒr baut die Region kontinuierlich ihr Beratungs- und UnterstĂŒtzungsangebot fĂŒr pflegebedĂŒrftige Einwohner und deren Angehörige aus. Dazu gehören die drei Senioren- und PflegestĂŒtzpunkte der Region, die mittlerweile aufgrund der steigenden Nachfrage regionsweit niedrigschwellige Sprechstunden in allen Kommunen anbieten. Außerdem organisieren die Senioren- und PflegestĂŒtzpunkte gemeinsam mit Kooperationspartnern Schulungen, um interessierte Menschen zu ehrenamtlichen Seniorenbegleitern auszubilden. Um Barrierefreiheit und Sicherheit in den eigenen vier WĂ€nden geht es in der Wohnberatung der Region, die ebenfalls kostenfreie Sprechstunden und Beratungen in den StĂ€dten und Gemeinden zu von der Region geförderten Umbaumaßnahmen anbietet. Mit dem nun vorgelegten Pflegebericht hat die Region Hannover nach 2004 und 2008 zum dritten Mal die Entwicklung des Pflegebedarfs in der Region untersucht. Der Bericht erfasst den aktuellen Stand sowie die voraussichtliche Entwicklung der pflegerischen Versorgung in der Region Hannover und liefert vor dem Hintergrund des demografischen Wandels Hinweise auf MissverhĂ€ltnisse zwischen stationĂ€ren und ambulanten Pflegeangeboten. Er zeigt außerdem, dass mit dem Anstieg der ĂŒber 75-jĂ€hrigen Senioren auch insgesamt die PflegebedĂŒrftigkeit steigt – bis 2030 könnte die Zahl der pflegebedĂŒrftigen Frauen und MĂ€nner um rund 13 Prozent auf 47.000 Menschen in der Region anwachsen. „An sich ist das eine Entwicklung, die gestaltbar ist“, so Jordan. „Um angemessen zu reagieren, brauchen wir auf der kommunalen Ebene dringend mehr Planungskompetenz, damit Versorgungsangebote auch da entstehen, wo die Menschen sie brauchen. Eine echte Wahlfreiheit zwischen ambulanter und stationĂ€rer Versorgung besteht noch nicht. Und vom gesetzlichen Vorrang ,ambulant vor stationĂ€r‘ sind wir noch weit entfernt.“