Skalpell aus Schall

Die Ärzte planen und steuern die Therapie mithilfe von Bildern aus dem Live-Ultraschall und der Kernspintomografie.

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Gesundheit / Region / Gehrden.

Was bei Brust- oder Nierenkrebs schon seit Längerem etabliert ist, steht jetzt erstmals in der Region auch für Patienten mit Prostatakrebs zu Verfügung: Schonende Therapie mit hochenergetischen Ultraschall

Prostatakrebs ist mit bundesweit jährlich rund 70.000 Neuerkrankungen die häufigste Tumorerkrankung bei Männern. Die Betroffenen stehen dabei oft im Spannungsfeld zwischen Radikaltherapien auf der einen und sogenannter „aktiver Überwachung“ auf der anderen Seite. Als ergänzende Behandlungsalternative hat sich in den vergangenen Jahren bei bestimmten Prostatakarzinomen die fokale Ultraschall-Therapie etabliert, bei der ausschließlich der bösartige Tumor behandelt wird und die Prostata im Ganzen weitgehend erhalten bleiben kann. Erstmals in der Region Hannover bieten die urologischen Fachkliniken der KRH-Krankenhäuser Siloah, Robert Koch Gehrden und Großburgwedel das neue organerhaltenes Therapieverfahren an, bei dem der Tumor mit hochintensivem fokussierten Ultraschall bei Temperaturen von bis zu 80 Grad Celsius zerstört wird.

„Die bisherigen Erfahrungen sind sehr positiv“, betonen die Urologie-Chefärzte Dr. Joachim Stein (Großburgwedel), Prof. Dr. Christoph Wiesner (Siloah) sowie der leitende Oberarzt Dr. Tobias Messner (Gehrden). Das Verfahren, das seit einem Jahr in den drei Kliniken angewendet wird, habe geringe bis keine Nebenwirkungen oder Komplikationen gezeigt. Allerdings sei die Zeit zur Beurteilung der Tumorverläufe noch zu kurz, um die Wirkung gegen den Krebs sicher einschätzen zu können, heben die KRH-Urologen hervor.

Die fokale Ultraschall-Therapie eignet sich vor allem für Patienten mit wenig aggressiven Karzinomen, die auf die Prostata begrenzt sind und noch keine Metastasen gebildet haben. Wichtig ist auch, dass die Prostata eine gewisse Größe nicht überschreiten sollte. In ausgewählten Fällen kann auch eine Behandlung erfolgen, wenn nach einer bereits erfolgten Strahlentherapie der Prostata der Krebs dort erneut wieder auftritt.

Bei dem neu entwickelten System „Focal One“, das bislang nur in wenigen deutschen Unikliniken und Urologiezentren eingesetzt wird, können im Rahmen der Therapie nicht nur Live-Ultraschall, sondern auch andere bildgebende Verfahren wie Kernspintomografie dreidimensional zusammengeführt und zur Therapieplanung sowie -steuerung eingesetzt werden. Der Arzt sitzt während der Behandlung an der Computerkonsole und plant und überwacht von dort den Therapieverlauf. Die Sonde, mit der die Behandlung erfolgt, setzt die Vorgaben des Arztes computergesteuert um. Die Therapie dauert, je nach behandelter Zone, zwischen 30 Minuten und zwei Stunden. Für den Eingriff ist eine Narkose erforderlich. Der stationäre Aufenthalt beträgt in aller Regel drei Tage.