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So verlief der Besuch von Holocaust-Überlebende Fritz Cohen

Fritz Cohen, Elizabeth Cohen, Peter Hertel und David auf dem Flughafen Hannover-Langenhagen.

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Ronnenberg.

Der Holocaust-Überlebende Fritz Cohen (Chicago) hat zum Abschluss seines Besuches dem "Förderverein Erinnerungsarbeit Ronnenberg (FER)", dem Rat und der Stadt Ronnenberg sowie allen Ronnenbergern gedankt, die "dem Frieden und der Toleranz" dienen und dabei die "schreckliche Vergangenheit" nicht vergessen würden.

Mit seiner Tochter Elizabeth und seinem Pfleger David, ohne den seine Reise nicht möglich gewesen wäre, ist der 97-Jährige am Mittwoch in die USA zurückgekehrt. Den FER-Mitgliedern Christiane Buddenberg-Hertel und Peter Hertel, die ihn zum Flughafen Hannover-Langenhagen begleiteten, sagte er beim Abschied: "Diese Woche war einer der schönsten Abschnitte in meinem Leben."

Anlass des Besuches war die Verlegung von 22 Stolpersteinen, von denen drei für ihn und seine Eltern gesetzt wurden. Während der sieben Tage hat er einen Rundgang durch Ronnenberg unternommen, Erinnerungsstätten besucht und Besichtigungsfahrten in der Umgebung unternommen. Mit den anwesenden Angehörigen der jüdischen Ronnenberger NS-Opfer, Evelyn Platschek Baron (Atlanta) und Daniel Platschek (St. Louis), Helen und Stan Hordes (Albuquerque/New Mexico) sowie Gerda und Susanne Philippsohn (Hannover), traf der Ehrenbürger der Stadt Ronnenberg zweimal den Vorstand des "Fördervereins Erinnerungsarbeit Ronnenberg" zu Gesprächen.

Im Mittelpunkt stand die Errichtung eines Gedenk- und Lernortes im ehemals jüdischen Gebäude Velsterstraße 2. Zum Abschluss der Stolpersteinverlegung und in Anwesenheit der Bürgermeisterin Stephanie Harms sowie der Ratsvorsitzenden Karin Reinelt hatte der ehemalige Bürgermeister, Wolfgang Walther, Vorstandsmitglied des FER, am Ronnenberger Holocaust-Denkmal mitgeteilt, dass der FER im nächsten Jahr der Stadt seinen Gestaltungs-Vorschlag für die Gedenkstätte übergeben werde. Das Haus Velstertraße 2 sei "ein Gebäude mit großer symbolischer und historischer Bedeutung". In der ersten Etage befand sich die Synagoge der Ronnenberger Synagogengemeinde. Ihre Ausgestaltung als "Gedenkort und Lernort", so Walther, "wäre ein Zeichen im Sinne des jetzt notwendigen klaren Auftretens gegen den immer offener formulierten Antisemitismus, gegen Fremdenhass und brutale Gewalt in der Gesellschaft und in den so genannten Sozialen Netzwerken".

Alle jüdischen Familien, die ihren Ursprung in Ronnenberg haben, sagten ihre Beteiligung an der Ausgestaltung der geplanten Erinnerungsstätte zu, für die das Ehepaar Hertel bereits mehr als 100 Dokumente und Gegenstände gesammelt hat und für deren Seminarraum es jeweils mehrstündige Videogespräche mit den drei noch lebenden Holocaust-Überlebenden besitzt. Die Familie Philippsohn stiftet eine französische Taschenuhr von Julius Philippsohn, der sich in Frankreich vor den NS-Schergen versteckte. Von Evelyn Platschek Baron kommen zwei Likörgläser, die Franz und Erna Seligmann in Ronnenberg an den jüdischen Hohen Feiertagen benutzten. Helen Hordes hat aus den USA ein silberlegiertes Besteck mitgebracht, das Siegfried Seligmann als aus seinem umfangreichen Besitz nicht an den NS-Staat abführen musste. Fritz Cohen übergab das letzte Schriftstück, das seine ermordete Großmutter im "Getto Theresienstadt verfasst hat.

In seiner Bilanz des Ereignisses vom Wochenende (23./24. November) hebt der FER den breiten Zuspruch in der Bevölkerung hervor, die sich in den Besucherzahlen bei der Stolpersteinverlegung und beim Gedenkkonzert widergespiegelt habe. Schüler aus Ronnenberg haben während der Stolpersteinverlegung öffentlich zugesagt, sie würden die Steine künftig putzen und pflegen. Wie der FER mitteilte, wäre es nicht möglich gewesen, das Ereignis sowie die Einladung des Ehrenbürgers Fritz Cohen und der sieben Nachfahren der jüdischen Ronnenberger NS-Opfer aus seinen Eigenmitteln beziehungsweise den Spenden seiner Mitglieder zu finanzieren. Sondern außerdem standen ihm der jährliche Zuschuss, den der Rat der Stadt für die städtische Erinnerungsarbeit beschließt, und vor allem die finanziellen Leistungen von 30 Spendern für dieses Ereignis zur Verfügung.

Der FER hebt hervor, dass die außergewöhnliche Ronnenberger Erinnerungskultur weiterhin ausstrahle und insofern auch dem Ansehen der Stadt Ronnenberg über die Region Hannover hinaus diene. Nicht nur die lokalen Medien haben über Stolpersteinverlegung und Gedenkkonzert ausführlich berichtet. Sondern auch Hörfunksender des NDR brachten umfassende Berichte mit Originaltönen und Interviews aus Ronnenberg.


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