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Über den Rand: Feuerwehr zahlt für Fahrzeuge und Gerätehaus

Feuerwehrkommandant Herbert Widerna vor dem gemeinsamen Domizil der Freiwilligen Feuerwehr und der Polizeiinspektion Ravelsbach.

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Region / Ravelsbach.

Viele Feuerwehren in der Region beklagen die Zustände der Gerätehäuser und des jeweiligen Fuhrparks. Ein Blick über den Tellerrand zeigt: es geht auch anders.

In Nieder-Österreich beispielsweise haben viele Freiwillige Feuerwehren einen jüngeren und größeren Fahrzeugpark und auch besser ausgestattete Gerätehäuser als es in der Region Hannover häufig der Fall ist. Die Redaktion war zu Besuch in Ravelsbach und hat sich dort von Kommandant Herbert Widerna einmal Gerätehaus und Fahrzeugpark zeigen lassen. Eine Besonderheit: mit der Feuerwehr in einem gemeinsamen Gebäudekomplex untergebracht ist auch die Polizeiinspektion Ravelsbach.

Ravelsbach liegt im Bezirk Hollabrunn in Niederösterreich und verzeichnet auf 26 Quadratkilometern rund 1.800 Einwohner. Insgesamt besteht die Großgemeinde aus sieben Ortsteilen. Zum Vergleich: Der Wennigser Ortsteil Bredenbeck kommt mit 14 Quadratkilometern Fläche auf 3.400 Einwohner.

Während in Bredenbeck ein Tanklöschfahrzeug (Baujahr 1987), ein Löschgruppenfahrzeug (Bj. 1999), ein Mannschaftstransportwagen (Bj. 2014) und zwei Feuerwehranhänger zur Beleuchtung und zur technischen Hilfeleistung untergebracht sind, ist die Ausstattung in Ravelsbach umfangreicher. Ein Rüstlöschfahrzeug (RLFA 2000; Baujahr 2002), ein Kleinlöschfahrzeug (Bj. 2001), ein Mannschaftstransportwagen (Bj. 2017), ein Wechselladefahrzeug mit Kran (Bj. 2008), ein Gabelstapler, ein Anhänger zur technischen Hilfeleistung, ein weiterer Transport-Anhänger sowie unterschiedliche Abroll-Pritschen für das Wechselladefahrzeug runden die Ausrüstung ab.

Auch das Gerätehaus sieht anders aus: Fahrzeuggarage mit fünf Stellplätzen (Bredenbeck: 3), Schlauchwaschanlage und 26 Meter hoher Schlauchturm mit Aufzug (Bredenbeck: nutzt die Feuerwehrtechnische Zentrale in Ronnenberg dafür), Schulungsraum für 100 Personen (Bredenbeck: ca. 40 Personen), großzügiger Umkleideraum (Bredenbeck: Fahrzeughalle bzw. Gang dorthin), Lagerhalle (Bredenbeck: in der Fahrzeughalle), Aufenthaltsraum mit Küche (Bredenbeck: kleine Teeküche) sowie diverse Abstellräume, Dienstzimmer und WC-Anlagen.

Und: Rückt die Feuerwehr Ravelsbach zu einem Einsatz aus, der gebührenpflichtig ist, schreibt sie auch dem Verursacher im Auftrag der Gemeinde die Rechnung und streicht dafür die Gebühren ein.

Aber: Anders als in Deutschland steht die Feuerwehr in Österreich in einer völlig anderen Situation. Denn bei der Beschaffung von Gerätehäusern, Ausrüstungsgegenständen und Fahrzeugen wird die Freiwillige Feuerwehr nicht unerheblich zur Kasse gebeten: "Die Kommune und das Land zahlen auch dazu, aber zwischen einem Drittel und 100 Prozent ist alles drin für uns", beschreibt Ravelsbachs Feuerwehrkommandant Herbert Widerna die Rahmenbedingungen. Das Ausrüstungsmaterial zahlt die Wehr komplett aus der eigenen Tasche, auch zu Miete und Nebenkosten wird die Feuerwehr herangezogen. Hier gibt es von der Kommune allerdings in der Regel auch eine gewisse Kostenerstattung. Die örtliche Wehr ist aber unbedingt darauf angewiesen, nicht unerhebliche Einnahmen vorzuhalten. "An drei Wochenenden pro Jahr müssen wir Feste oder Märkte ausrichten, um auf unseren mittleren fünfstelligen Jahresetat zu kommen", berichtet der Ortsbrandmeister, der in Österreich "Hauptbrandinspektor" heißt. Und wenn ein neues Fahrzeug fällig wird, greifen die Ehrenamtlichen auch zu ungewöhnlichen Finanzierungen: "Es ist durchaus üblich, dass für eine Zwischenfinanzierung das Kommando ein Darlehen bei einer Bank aufnimmt", unterstreicht Widerna.

Was auf den einen Blick also nach dem Schlaraffenland im Rettungswesen aussieht, erweist sich auf der anderen Seite als großes Risiko. Alleine eine Lagerhalle in Ravelsbach steht voll mit gastronomischem Inventar, Holzbuden und dergleichen mehr. Über das Ausmaß der zusätzlichen ehrenamtlichen Arbeit hängt Widerna den Mantel des Schweigens. "Es ist so, dass die Aktiven zu unseren Festen und Märkten auch noch einen Kuchen oder eine Torte zusteuern - um diese natürlich später auch aus der eigenen Tasche zu bezahlen".

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