Barsinghausen. In einer gemeinsamen Aktion haben die Jusos/SPD Barsinghausen, die „Omas gegen Rechts“ und das Bündnis „Barsinghausen ist bunt“ rund 50 Stolpersteine im gesamten Stadtgebiet gereinigt. Die kleinen Mahnmale erinnern an jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger sowie andere Opfergruppen des Nationalsozialismus, die einst Teil der Stadtgesellschaft waren.
Begonnen hat die Aktion mit einem Vortrag von Eckhard Steigerwald, dem ehemaligen Stadtarchivar. Im Vordergrund des Vortrags standen die Stolpersteine in der Marktstraße 6 von Sally Hirschberg, Rosalie Hirschberg, Hertha Spanier (geb. Hirschberg), Selma Spanier, Elise Blumenthal und Clara Blumenthal.
Familie Hirschberg:
Das Ehepaar Sally und Rosalie Hirschberg hatte zwei Töchter namens Hertha und Marga. In der Marktstraße 6 hatte Sally Hirschberg eine Wohnung sowie ein Konfektions- und Kleidergeschäft. Dieses Geschäft wurde bereits 1902 gegründet. Der Gewinn des Betriebs verringerte sich kontinuierlich in der NS-Zeit, bis 1938 das Geschäft aufgegeben wurde. Die für März 1939 geplante Ausreise nach Uruguay scheiterte vermutlich aus finanziellen Gründen. Am 31. März 1942 sind sie mit dem zweiten Judentransport aus Hannover ins Ghetto Warschau deportiert worden. Sie kamen dort ums Leben. Im Mai 1941 konnten Marga und ihr Sohn nach New York übersetzen.
Hertha hingegen ist zusammen mit ihrem Ehemann und ihrer Tochter Selma im November 1941 von Bremen aus nach Maly Trostinec bei Minsk deportiert worden. Hertha und Selma wurden hier vermutlich im Juli 1942 ermordet.
Familie Blumenthal:
Elise und Clara Blumenthal sind in Barsinghausen geboren. Bereits vor 1900 haben sie vermutlich Barsinghausen verlassen. Clara Blumenthal zog 1901 nach Wesermünde (später: Bremerhaven) und betrieb dort ein Modeartikel- und Kurzwarengeschäft gemeinsam mit einer weiteren Person. 1911 folgte Elise ihrer Schwester. Clara schied 1935 aufgrund der zunehmenden Repressionen aus dem Geschäft aus. Nach Zwangsumsiedlungen in verschiedene „Judenhäuser“ wurden sie im Juli 1942 nach Theresienstadt deportiert. Am 26. September 1942 schließlich wurden sie nach Treblinka deportiert, wo sie vermutlich ermordet wurden.
Die Schicksale dieser Familien verdeutlichen, wie tief jüdisches Leben in Barsinghausen verwurzelt war – und mit welcher systematischen Grausamkeit es vernichtet wurde. Von der schleichenden Ausgrenzung bis zur Deportation zeigt die Geschichte, dass die Gräueltaten des Holocaust auch auf lokaler Ebene Schritt für Schritt präzise umgesetzt wurden. Die Opfer waren keine abstrakten Zahlen, sondern Nachbarn und engagierte Bürger. So bedeutet das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus Verantwortung. Hierzu passt ein Zitat von dem Holocaust-Überlebenden Max Mannheimer: „Ihr seid nicht schuld an dem, was war, aber verantwortlich dafür, dass es nicht mehr geschieht.“
Daten:
Sally Hirschberg
*12.11.1875 in Winninghausen
deportiert 1.4.1942, Ghetto Warschau
† Datum unbekannt
Rosalie Hirschberg, geb. Trautmann
*28.2.1881 in Nordhorn
deportiert 1.4.1942, Ghetto Warschau
† Datum unbekannt
Hertha Spanier, geb. Hirschberg
*31.7.1908 in Barsinghausen
deportiert 18.11.1941 KZ Maly Trostinec (bei Minsk)
† Juli 1942
Selma Spanier
*4.5.1940 in Verden
deportiert 18.11.1941 KZ Maly Trostinec (bei Minsk)
† Juli 1942
Elise Blumenthal
*2.7.1868 in Barsinghausen
deportiert 23.7.1942, Ghetto Theresienstadt
26.9.1942, KZ Treblinka
† Datum unbekannt
Clara Blumenthal
*25.2.1872 in Barsinghausen
deportiert 23.7.1942, Ghetto Theresienstadt
26.9.1942, KZ Treblinka
† Datum unbekannt


