Barsinghausen. Im Zuständigkeitsbereich des Polizeikommissariat Barsinghausen ist die Zahl der Straftaten im Jahr 2025 leicht angestiegen. Insgesamt wurden 1.769 Taten registriert – ein Plus von rund 6,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr mit 1.660 Fällen. Damit bewegt sich die Kriminalitätsbelastung wieder im Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre.
Kriminalität steigt leicht – Polizei Barsinghausen sieht dennoch stabiles Niveau
Die Vorstellung der Kriminalitätsstatistik 2025 steht auch unter dem Schatten der jüngsten Ereignisse in Barsinghausen. So hat ein 49-jähriger Mann am Montag seine 38-jährige Frau getötet und die 13-jährige Tochter lebensgefährlich verletzt. „Als Polizei bieten wir Hilfe an, wenn wir informiert werden“, erklärte Ludger Westermann, Leiter Polizeikommissariat Barsinghausen, mit. Wer die Polizei nicht verständigen wolle, habe aber auch andere Möglichkeiten, um sich Hilfe zu suchen. Auf der Internetseite der Stadt Barsinghausen sind unter dem Thema „Basche ohne Gewalt“ diverse Hilfsangebote zu finden.
Unterschiedliche Entwicklungen in den Deliktsbereichen
Der Anstieg der Straftaten ist vor allem auf mehrere Deliktsbereiche zurückzuführen. Besonders deutlich nahmen Diebstähle zu, hier wurden 40 zusätzliche Fälle registriert – darunter allein 20 mehr Ladendiebstähle.
Auch Beleidigungen (+35 Fälle) sowie Sachbeschädigungen (+44 Fälle) stiegen deutlich an. Dem gegenüber stehen rückläufige Zahlen bei Vermögens- und Fälschungsdelikten (-35) sowie bei Rauschgiftdelikten (-21).
Häusliche Gewalt
Mit insgesamt 149 Fällen ist die Anzahl der häuslichen Gewalt zu den Vorjahren (153 in 2024, 159 in 2023 und 149 in 2022) leicht gesunken. „Dies zeichnet jedoch nur das sogenannte Hellfeld ab“, gibt Westermann zu bedenken, „Man muss wohl von einer deutlich höheren Dunkelziffer ausgehen, die uns nicht gemeldet wird.“
Deutlicher Rückgang bei Drogendelikten
Ein besonders auffälliger Trend zeigt sich im Bereich der Rauschgiftdelikte. Nach 201 Fällen im Jahr 2023 sank die Zahl über 70 im Jahr 2024 auf nur noch 49 Taten im Jahr 2025. Als ein wesentlicher Grund wird die (Teil-)Legalisierung von Cannabis seit 2024 gesehen, die sich deutlich auf die Statistik auswirkt.
Aufklärungsquote bleibt auf solidem Niveau
Die Aufklärungsquote lag 2025 bei 65,67 Prozent und ist damit leicht gegenüber dem Vorjahr (64,26 Prozent) gestiegen. Im langfristigen Vergleich bewegt sich dieser Wert weiterhin auf einem guten Niveau, auch wenn er unter dem Höchststand von 2023 liegt. Laut Joachim Eickmeyer, Leiter Kriminal- und Ermittlungsdienst zeige man sich bei der Polizei mit einem Wert von über 62 Prozent glücklich. Der Landesschnitt liegt zum Vergleich bei 62,72 Prozent.
Mehr Wohnungseinbrüche registriert
Sorge bereitet der Polizei insbesondere die Entwicklung bei Wohnungseinbrüchen. Die Fallzahlen stiegen von 16 auf 25 Taten – ein Plus von rund einem Drittel. Gleichzeitig sank die Aufklärungsquote in diesem Bereich auf etwa 12 Prozent, da sich gerade in diesem Feld die Täterermittlung schwierig gestalte. „Eine Aufmerksame Nachbarschaft, die Hinweise geben kann, ist da sehr hilfreich“, so Ludger Westermann. Positiv sei jedoch, dass es bei den Einbruchsversuchen zu einer gestiegenen Anzahl gekommen ist. „Jeder Einbruch, der abgebrochen wird, ist ein Erfolg. Wir bieten hier viel Präventionsarbeit und Beratungen an“, so Westermann weiter.
Diebstahlsdelikte und Betrug
Insgesamt gab es 2025 462 Diebstähle (422 in 2024 und 500 in 2023). Im Bereich der Diebstähle aus Kraftfahrzeugen konnte ein 63-Jähriger festgenommen werden, der sich für insgesamt 13 Taten verantwortlich zeigte. Insgesamt wurden 7 Kraftfahrzeuge entwendet (2024 16 und 2023 9). Mit 39 gestohlenen Fahrrädern ist dieser Bereich stabil und es sei keine „Hotspot“ auszumachen. Die Polizei erinnerte hier noch einmal an Codierungsmaßnahmen, die das ganze Jahr über durchgeführt werden und auch direkt bei der Polizei gemacht werden können.
Viel Ermittlungsarbeit fließt in die Aufklärung von Betrugsdelikten. 2025 wurden 183 Fälle in Barsinghausen festgestellt (211 in 2024 und 256 in 2023). Diese Zahlen zeigen jedoch nur die Fälle, die auch in Barsinghausen bearbeitet würden. Je nachdem von wo (Internet) der Betrug durchgeführt wurde, könne die weitere Bearbeitung auch andernorts erfolgen.
Tatverdächtigenzahlen im Überblick
Im Jahr 2025 wurden insgesamt 898 Tatverdächtige erfasst. Darunter befanden sich 68 Kinder (bis 14 Jahre), 113 Jugendliche, 40 Heranwachsende (19 bis 21 Jahre) und 677 Erwachsene.
Damit bleibt der Anteil erwachsener Tatverdächtiger weiterhin am höchsten. Trotz des aktuellen Anstiegs bei den Jugendlichen (113 in 2025, 93 in 2024, 151 in 2023), gibt es laut Polizei keine kriminellen Jugendbanden. Man beobachte auch, dass Eltern bei Beleidigungen und Körperverletzungen unter Jugendlichen schneller die Polizei riefen, wo es früher eher eine Konfliktlösung untereinander gab. Die stabilen Zahlen bei Kindern zeigten aber auch, dass es einen gewissen Nachschub an Straftätern gibt.
Entwicklung bei Gewalt- und Straßenkriminalität
Die Zahl der Rohheitsdelikte – darunter Körperverletzungen und Raub – blieb insgesamt relativ stabil. Körperverletzungsdelikte gingen leicht zurück und lagen bei rund 240 Fällen. Auch die Straßenkriminalität bewegte sich mit 274 Fällen auf einem ähnlichen Niveau wie im Vorjahr. Der Raub auf der Straße sei mit drei Fällen sehr gering. „Es ist dahingehend sicher auf unseren Straßen“, so Eickmeyer.
Messerangriffe und Gewalt gegen Einsatzkräfte
Die Zahl der erfassten Messerangriffe lag 2025 bei 13 Fällen (16 in 2024 und 14 in 2023) und ist damit leicht rückläufig. Eine örtliche Ballung von Messerangriffen ist nicht auszumachen.
Gewalt gegen Polizeibeamte bleibt weiterhin ein Thema bei der Polizei, da jeder Fall einer zu viel sei. Bewegte man sich 2021 (31) und 2022 (36) auf einem hohen Niveau, sank die Zahl von 19 in 2023 auf 11 in 2024 und stieg 2025 auf 14 Fälle an. „Oft stehen die Täter hierbei unter dem Einfluss von Alkohol oder anderen Substanzen“, so Westermann, „Es gibt aber auch psychische kranke Personen, die in Ausnahmesituation falsch reagieren.“ Positiv habe man bei der Polizei aufgenommen, dass es im Rahmen des Stadtfestes in den letzten Jahren keine Angriffe, oder Beleidigungen, gegenüber Polizisten gegeben hat.
Fazit der Polizei
Insgesamt zeigt die Kriminalstatistik für Barsinghausen ein gemischtes Bild: Während einige Deliktsbereiche zunehmen, gehen andere deutlich zurück.
Die Polizei bewertet die Entwicklung insgesamt als stabil. Die Zahlen bewegen sich im langjährigen Durchschnitt, auch wenn einzelne Trends – etwa bei Einbrüchen oder Sachbeschädigungen – weiterhin besondere Aufmerksamkeit erfordern.


