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Podiumsdiskussion des Seniorenrats: Drei Bürgermeisterkandidaten im direkten Vergleich

v.l.: Die Bürgermeisterkandidaten Thomas Wolf, Dorota Szymanska und Henning Schünhof mit Horst Petersmann vom Seniorenrat.

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Barsinghausen. Der Seniorenrat Barsinghausen hat unter dem Motto „Kommunalwahl: Wählen gehen stärkt die Demokratie“ eine öffentliche Podiumsdiskussion in der Alten Zeche abgehalten. An der Veranstaltung nahmen die drei Kandidaten Dorota Szymanska (Bündnis 90/Die Grünen), Thomas Wolf (parteiunabhängig) sowie der amtierende Bürgermeister Henning Schünhof (SPD) teil. Neben Fragen der Veranstalter lag der Fokus auch auf Fragen der Gäste.

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Moderiert wurde die Veranstaltung von Rainer Krabbe, der die zahlreichen Gäste in der Waschkaue der Zeche begrüßte. Sogleich ließ er sich die Kandidaten kurz vorstellen. Amtsinhaber Henning Schünhof (58), SPD, Dorota Szymanska (60), Grüne, und Thomas Wolf (59), parteiunabhängig, gingen daraufhin kurz auf ihre Vita und ihre Motivation ein.

Krabbe erklärte, man wollte möglichst früh die Kandidaten vorstellen und nicht bis kurz vor der Wahl im September warten, damit die Bürger genug Zeit hätten, die Kandidaten kennenzulernen und später vielleicht auch selbst anzusprechen. Aufgrund der guten Besucherzahlen möchte der Seniorenrat die Veranstaltung noch einmal wiederholen.

Die erste Frage gab Rainer Krabbe vor:

Warum die Kandidaten Bürgermeister werden wollen?

Dorota Szymanska sagte, dass für die Grünen das Thema Gleichstellung wichtig sei, weshalb eine Frau aufgestellt werden sollte. In den Gesprächen habe sie dann aufgrund ihrer Erfahrungen gemerkt, dass sie sich eine Kandidatur vorstellen könne. Die Grünen hätten dann gemeinsam entsprechend abgestimmt.

Thomas Wolf sagte, dass es keinen schöneren Job gebe als in der Kommunalverwaltung. Nur hier könne man direkt auf das Leben der Menschen vor Ort einwirken und ihnen helfen. Als Bürgermeister habe man direkten Einfluss, um Probleme anzugehen.

Henning Schünhof sagte, dass er sich vor seiner ersten Wahl als Ratsherr sehr viele Gedanken dazu gemacht habe. Es sei leicht, alles zu kritisieren. Er wollte jedoch mitgestalten und sich stärker einbringen, was ihn damals zur Kandidatur bewegte. Dies würde er nun weiterhin gerne tun, um angeschobene Projekte weiterzubringen und zu beenden.

Eine Bürgerin fragte, wie die Kandidaten zur Schließung des Labora-Wertstoffhofes stehen.

Henning Schünhof erklärte, dass der Fall sehr komplex sei, da Jobcenter und aha beteiligt seien und sich aus dem Projekt in dieser Form zurückziehen wollten. Man sei in Gesprächen, denen er noch nicht vorgreifen wolle, aber man sei dabei, einen Weg zu finden.

Dorota Szymanska sagte, es sei ein laufender Prozess. Für die Grünen sei das Projekt aus ökologischen und sozialen Gründen sehr wichtig. Sie hoffe auf eine gute Lösung, man müsse aber abwarten, wie sich die Politik nun dazu entscheide. Die Parteien seien sich aber einig, wie wichtig das Projekt für Barsinghausen sei.

Thomas Wolf erklärte, dass er selbst die Petition für den Erhalt unterschrieben habe. Wichtig seien nun Gespräche mit der Region und aha. Aber die Stadt müsse auch ein deutliches Zeichen setzen, da das ortsnahe Angebot wichtig für die Bürger sei. Es seien konstruktive Lösungen nötig und auch ein Blick auf mögliche alternative Standorte.

Eine Folgefrage zum Thema zielte auf den Erhalt durch Gebühren ab.

Henning Schünhof erteilte dieser Idee jedoch eine Absage. Es gebe ein Gebührensystem der aha, die für die Entsorgung zuständig sei. Dort erarbeite man aktuell ein neues Konzept zu den Wertstoffhöfen. Es sei unrealistisch, dass die Stadt hier in die Entsorgung einsteige.

Dorota Szymanska brachte die soziale Gerechtigkeit mit ein. Gebühren würden manche Bürger benachteiligen, das Angebot sollte für alle gleichermaßen zugänglich sein.

Thomas Wolf erklärte, dass die Region Hannover über so etwas entscheide. Außerdem würden bereits Gebühren erhoben, mit denen aha ein entsprechendes Angebot vorhalte.

Ein Bürger wollte wissen, wie die Kandidaten den politischen Rechtsruck stoppen wollen.

Thomas Wolf sieht dies als große Herausforderung. Für viele gehe es nicht um rechtes Gedankengut, sondern um das Versagen des Staates. Politik und Bürgermeister müssten gemeinsam einen guten Job machen, damit alles gut funktioniere, Straßen, Schulen usw. nutzbar seien und Menschen nicht in extreme Richtungen abwandern. Der Staat müsse einfach besser funktionieren.

Dorota Szymanska lobte die vielen Institutionen in Barsinghausen (Omas gegen Rechts und Barsinghausen ist bunt), die sich gegen Faschismus einsetzten. Außerdem müsse man sich die Sorgen der Bürger vor Ort genau anhören und ernst nehmen. Sie sei selbst aus einem antidemokratischen System geflohen, lebe nun 40 Jahre in Deutschland und schätze die Demokratie sehr. Diesen Wert müsse man den Menschen auch begreiflich machen.

Henning Schünhof bezeichnete es als Staatsversagen, wenn die Dinge nicht so laufen wie nötig. Überall gebe es Investitionsstaus, was sich über Jahrzehnte aufgebaut habe und nun zu Problemen in vielen Bereichen führe. Dies müsse man nun abstellen. Alternativ brauche es Präventionsarbeit bei jungen Menschen. Er nehme jede Einladung zu Diskussionsrunden in Schulen und bei Jugendgruppen an, um die demokratische Arbeit und ihren Wert zu erklären. Erst jüngst habe es mit „Pimp your Town“ ein entsprechendes Projekt in der KGS gegeben.

Krabbe fragte dann Thomas Wolf, warum dieser in Barsinghausen antrete und nicht erneut in Rodenberg.

Thomas Wolf erklärte, dass die Zeit als Erster Stadtrat in Barsinghausen sehr viel Spaß gemacht habe. Er aber die Gelegenheit hatte, in Rodenberg zu kandidieren. Dort habe er eine breite Unterstützung der Parteien gehabt, dies sei nun auch in Barsinghausen der Fall. (Anm. d. Red.: CDU und FDP hatten ihre Unterstützung bekannt gegeben.) Er wollte daher noch einmal die Herausforderung annehmen und in Barsinghausen, seinem Wohnort, kandidieren.

Eine Bürgerin wollte wissen, wie junge Menschen leichter Jobs finden können und wie die Wirtschaft gestärkt werden kann.

Henning Schünhof erklärte, dass die Stadt die Ausbildungsmesse Barsinghausen unterstütze. Aktuell sei es aber eher so, dass Unternehmen nach Nachwuchs suchen, nicht umgekehrt. Um die Wirtschaft zu stärken, habe man viel Wirtschaftsförderung betrieben. Wichtig sei weiterhin die Ansiedlung großer Unternehmen, die durch die Gewerbesteuer Einnahmen generieren würden. Außerdem müssten die bestehenden Unternehmen gehalten werden.

Thomas Wolf sagte, dass er an der Gründung der Ausbildungsmesse Barsinghausen beteiligt war, was ein wichtiger Schritt war. Ihm fehle in der Stadt eine Strategie, wie Gewerbeansiedlung gezielter stattfinden solle. Mindestens genauso wichtig sei es, bestehendes Gewerbe zu halten. Nicht alle Betriebe seien seiner Erfahrung nach glücklich in Barsinghausen.

Dorota Szymanska bedauerte, dass viele junge Menschen die Schule abbrechen würden. Diese Menschen müssten aufgefangen werden, jedoch brauche dies eine Strategie. Ergänzend dazu sei eine Strategie zur Gewerbeansiedlung wichtig, die beiden Probleme hingen eng zusammen.

Eine Frage lautete, wie Barsinghausen lebenswerter werden könne.

Dorota Szymanska sagte, dass die Stadt viel Potenzial habe. Es gebe viel Natur und die Zeche, die jedoch saniert werden müsse. Ökologisch und wirtschaftlich sei vieles möglich, um Barsinghausen besser zu machen.

Thomas Wolf ärgerte sich darüber, dass Barsinghausen sich unter Wert verkaufe. Die Aufenthaltsqualität in Kernstadt und Ortsteilen müsse verbessert werden. Aber auch dafür brauche es eine Strategie. Barsinghausen habe alles, um sich ein Alleinstellungsmerkmal zu erarbeiten.

Henning Schünhof erklärte, man habe vieles saniert und sei noch dabei. Aber es seien vor allem die Menschen, die Barsinghausen lebenswert machen. Daher müsse es noch mehr Veranstaltungen geben, wo sich die Menschen begegnen könnten, so wie auf der MOWI oder dem Stadtfest. Dafür habe die Stadt mit Fördergeldern eine Stelle für das Stadtmarketing geschaffen. Manche Probleme, wie kaputte Landstraßen und die unzuverlässige S-Bahn, lägen leider nicht in der Hand der Stadt. Doch auch da setze man sich für Verbesserungen ein.

Ein Bürger fragte, woher das Geld für wichtige zukünftige Investitionen kommen soll. Der Investitionsstau liegt bei über 600 Millionen Euro.

Henning Schünhof sagte, dafür sei eine Prioritätenliste erarbeitet worden. Rund 30 Millionen Euro jährlich könne die Stadt stemmen. Man müsse aber auswählen, was man sich leisten kann und will. Die Politik entscheide noch über die Prioritätenliste. Wichtig seien steigende Einnahmen durch leistungsfähige Gewerbetreibende. Jedoch könne man sich nicht immer aussuchen, wer nach Barsinghausen komme. Nicht zu investieren sei der Fehler vor ca. 10 Jahren gewesen, nun werde alles immer teurer.

Thomas Wolf fehlte auch hier die Strategie, um Einnahmen zu generieren und die Prioritätenliste richtig aufzustellen. Es müsse deutlich gemacht werden, was für eine lebenswerte Stadt benötigt werde, daraus würde sich die Prioritätenliste ableiten. Barsinghausen dürfe nicht wie vor 20 Jahren in die Haushaltssicherung abrutschen.

Dorota Szymanska brachte die ökologische Sichtweise in die Prioritätenliste mit ein. Es dürfe aber nicht zu lange gewartet werden, diese Liste politisch abzustimmen, damit es vorangehen könne.

Weitere Themen waren u. a. das Jugendparlament, was alle Kandidaten für unterstützenswert hielten. Auch den Spagat zwischen Naturschutz und Bodenversiegelung durch Gewerbeansiedlung sahen alle Kandidaten. Wichtig sei auch eine öffentliche Toilette in der Innenstadt. Ob diese im Fachwerkhaus am Thie sein müsse, sei eine Frage des politischen Willens.

Nach etwas über 1,5 Stunden wurde die Podiumsdiskussion beendet. Es hätte noch viele weitere Fragen der interessierten Bürger gegeben, weshalb die Veranstalter eine Fortsetzung planen werden.