Hannover. Für rund 890.000 Schülerinnen und Schüler an den allgemeinbildenden Schulen begann nach den Sommerferien wieder der Unterricht. Damit bleibt die Zahl der Schülerinnen und Schüler auf einem stabil hohen Niveau. Am kommenden Sonnabend (15. August) werden rund 80.000 Kinder neu eingeschult und starten damit ihre Schullaufbahn. Zugleich wird im neuen Schuljahr vieles konkret, was Niedersachsen in den vergangenen Jahren für die Weiterentwicklung seiner Schulen auf den Weg gebracht hat: mehr Personal, mehr Unterrichtsstunden, mehr Unterstützung, mehr Bildungsgerechtigkeit und moderne Ausstattung.
Niedersachsens Kultusministerin Julia Willie Hamburg sagt: „Dieses Schuljahr zeigt erneut: Wir reden nicht nur über Verbesserungen – wir setzen sie um. Das, was wir voranbringen, sind keine kleinen Schritte, sondern große Aufgaben, die wir konsequent angehen. Und wir sehen mit jedem weiteren Jahr: Es lohnt sich, verlässlich und beherzt weiterzuarbeiten.“ Die Landesregierung verfolgt dabei eine klare Linie: Qualität stärken, Chancen verbessern und Schulen modernisieren. Dabei setzt Niedersachsen bewusst auf ein „Sowohl-als-auch“: Lehrkräfte und Digitalisierung, Unterricht und Schulsozialarbeit, Grundlagen und Innovation, Stabilität und Veränderung. Denn, so die Ministerin: „Wir brauchen für die Bildung unserer Kinder nicht entweder-oder, sondern sowohl-als-auch.“
Mit Blick auf die weiterhin hohe Zahl der Schülerinnen und Schüler bleibt eine stabile und verlässliche Unterrichtsversorgung weiterhin eine zentrale Aufgabe des Landes. Mit dem „Weg der 1.000 Schritte“ hat Niedersachsen die Unterrichtsversorgung in den vergangenen Jahren stabilisiert und in der Tendenz leicht verbessert. Diesen Weg setzt das Land nun konsequent fort. Zum neuen Schuljahr sind aktuell rund 2.000 Stellen ausgeschrieben, 1586 davon konnten (Stand 11.08.26) bereits erfolgreich besetzt werden. Damit wird es Stand heute in diesem Kalenderjahr erneut deutlich mehr Einstellungen (2661) als ausscheidende Lehrkräfte (1809) geben – ein Plus von 852.
Mit dem kommenden Doppelhaushalt plant die Landesregierung, dass darüber hinaus 1.800 zusätzliche Lehrkräftestellen geschaffen werden. Damit werden in dieser Legislaturperiode insgesamt mehr als 5.600 zusätzliche Lehrkräftestellen geschaffen. Kultusministerin Hamburg: „5.600 zusätzliche Lehrkräftestellen – das ist eine riesige Zahl erfolgreicher Einstellungen. Das hätte angesichts des bundesweiten Fachkräftemangels und der finanziell herausfordernden Zeiten sicherlich niemand für möglich gehalten. Und doch setzt die Landesregierung einen klaren Schwerpunkt auf die Bildung unserer Kinder und Jugendlichen. Wir investieren damit ganz konkret in die Qualität unserer Schulen.“
Gleichzeitig bleibt die Gewinnung von Lehrkräften insbesondere für ländliche Regionen, für bestimmte Schulformen und Fachrichtungen eine riesige Herausforderung. Die personelle Situation an einzelnen Schulen ist weiterhin sehr herausfordernd. Deshalb werden bestehende Maßnahmen fortgeführt und neue Maßnahmen ergriffen. Dazu gehören etwa der Ausbau des Quereinstiegs, neue Qualifizierungswege wie der jetzt mögliche Quereinstiegs-Master für das Lehramt an Haupt- und Realschulen sowie flexible Ausschreibungs- und Einstellungsverfahren.
Auch an den berufsbildenden Schulen zeigen die Maßnahmen zur Lehrkräftegewinnung Wirkung. Dort konnten im laufenden Jahr bereits mehr als 300 Lehrkräfte neu eingestellt werden. Der neue Quereinstiegserlass für die berufsbildenden Schulen zeigt dabei erste positive Effekte und hat zu einem deutlichen Anstieg der Bewerbungen geführt. „Wir gewinnen mehr Menschen für den niedersächsischen Schuldienst. Das ist ein wichtiges Signal. Gleichzeitig wissen wir: Gerade in bestimmten Schulformen, Fächern und ländlichen Regionen bleibt die Situation herausfordernd. Deshalb lassen wir nicht nach“, sagt Hamburg.
Gute Schule insgesamt braucht zugleich mehr als ausreichend Lehrkräfte. Schulische Sozialarbeit, pädagogische Mitarbeitende sowie therapeutische Fachkräfte leisten einen wichtigen Beitrag zur individuellen Förderung, zur Inklusion, zur Gewaltprävention sowie zur Unterstützung von Kindern und Jugendlichen in herausfordernden Lebenslagen. Deshalb baut Niedersachsen auch die multiprofessionellen Teams an den Schulen konsequent weiter aus. Im kommenden Doppelhaushalt sind erneut pro Jahr jeweils 100 zusätzliche Vollzeiteinheiten pro Jahr für die schulische Sozialarbeit, jeweils 48 weitere Stellen für nichtlehrendes Personal an den berufsbildenden Schulen sowie jeweils zusätzliche 100 pädagogische Mitarbeitende für die Inklusion vorgesehen.
Gute Bildung braucht aber nicht nur ausreichend Lehrkräfte und multiprofessionelle Teams, sondern auch ausreichend Zeit zum Lernen. Mit der „Sicheren Basis“ stärkt Niedersachsen deshalb gezielt die grundlegenden Kompetenzen in Lesen, Schreiben und Rechnen. Im neuen Schuljahr erreicht das Programm seine dritte und damit letzte Ausbaustufe. Die Grundschulen erhalten nun insgesamt drei zusätzliche Stunden Unterricht für die Basiskompetenzen. Damit bekommen Kinder mehr Zeit, grundlegende Fähigkeiten sicher zu erwerben und zu festigen. Hamburg betont: „Lesen, Schreiben und Rechnen – aber auch soziale Kompetenzen – sind die Grundlage für alles, was danach kommt. Wir wollen Kindern die Zeit geben, diese Grundlagen wirklich sicher zu erwerben. Ich will, dass jedes Kind sein volles Potenzial entwickeln kann und – bildlich gesprochen – immer höher springen kann. Deshalb investieren wir in gutes Lernen und gezielte Förderung.“
Mehr Zeit für Förderung und individuelles Lernen schafft auch der weitere Ausbau der Ganztagsschulen. Mit 221 neu genehmigten Ganztagsgrundschulen geht Niedersachsen gut vorbereitet in die Umsetzung des bundesweiten Rechtsanspruchs auf Ganztagsbetreuung für Kinder im Grundschulalter. Damit verfügen zum Schuljahr 2026/2027 nach aktuellem Stand mehr als 85 Prozent der Grundschulen über ein eigenes Ganztagsangebot. Darüber hinaus wird der Rechtsanspruch über alternative Betreuungs- oder Kooperationsmodelle umgesetzt. Ministerin Hamburg: „Das, was vor Ort in den Schulen und von den Schulträgern geleistet wurde, ist wirklich beachtlich. Ich möchte mich bei den Schulleitungen, Lehrkräften, den Landesämtern und kommunalen Verwaltungen sowie bei den Kooperationspartnerinnen und -partnern ganz herzlich bedanken. Der Rechtsanspruch auf Ganztag ist für die Familien und die Bildungsgerechtigkeit unserer Kinder ein echter Meilenstein. Für das Land, aber insbesondere die Kommunen und die Schulen eine echte Mammutaufgabe. Dass wir dieses ambitionierte Projekt jetzt so vor Ort umsetzen konnten, verdanken wir der Zusammenarbeit und dem Engagement vieler Beteiligter.“
Bildungsgerechtigkeit bedeutet für Niedersachsen auch, genauer hinzuschauen und Kinder gezielter zu unterstützen. Mit der Novelle des Schulgesetzes schafft Niedersachsen neue Grundlagen, um Bildungswege besser zu verstehen und Kinder passgenauer zu fördern. Dazu gehört eine Schüler-ID, an die perspektivisch ein statistisches Bildungsregister gekoppelt werden soll. Künftig könne kein Kind mehr durchs Raster fallen, so die Kultusministerin: „Wir müssen besser erkennen können: Wo funktioniert unser Bildungssystem gut? Wo verlieren wir Kinder aus dem Blick? Und wo müssen wir besser werden? Unser Grundsatz bleibt: Wir lassen kein Kind zurück.“
Auch erweiterte Möglichkeiten für einen sogenannte Nachteilsausgleich und Notenschutz bei Beeinträchtigungen wie etwa einer Lese-Rechtschreib-Störung oder einer Dyskalkulie führen zu mehr Chancengleichheit im Bildungsverlauf.
Niedersachsen treibt zugleich die Modernisierung der Schulen voran. Mit der flächendeckenden Einführung und Ausgabe digitaler Endgeräte für alle Schülerinnen und Schüler (i.d.R.) ab Jahrgang 7 und alle Lehrkräfte setzt das Land eines der größten Digitalisierungsprojekte im deutschen Schulwesen um. Bereits weit über 2.000 Schulen haben digitale Endgeräte für Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte bestellt. Die ersten Auslieferungen laufen bereits. Damit erhalten Schülerinnen und Schüler einen einheitlichen Zugang zu einem zentralen modernen Lernmittel. Geräte alleine reichen für modernen digitalen Unterricht und gelebte Medienkompetenz allerdings nicht aus. Mit der Niedersächsischen Bildungscloud, KI-Angeboten wie AIS.chat sowie Fortbildungs- und Beratungsangeboten schafft das Land zugleich Voraussetzungen dafür, digitale Möglichkeiten sinnvoll im Unterricht einzusetzen. Neben der technischen Ausstattung bleibt die Vermittlung von Medienkompetenz damit ein zentrales Ziel. Themen wie Datenschutz, Cybermobbing, Desinformation, Deepfakes und ein verantwortungsvoller Umgang mit sozialen Medien werden daher weiter gestärkt. Hamburg: „Ein Tablet allein macht noch keinen guten Unterricht. Es braucht gute Konzepte, Medienkompetenz und gut ausgebildete Lehrkräfte.“
Zum Schuljahr 2026/2027 wird mit dem Fach Christliche Religion ein bundesweit neues gemeinsam verantwortetes Religionsfach eingeführt, das von den Kirchen gemeinsam mit Schulfachlern und -fachlerinnen entwickelt wurde. Es ermöglicht religiöse Bildung für alle Schülerinnen und Schüler, berücksichtigt neben den christlichen Grundlagen auch Fragen der interreligiösen Verständigung und trägt so zu Verständnis, Toleranz und Respekt bei. Gleichzeitig wird das Fach Werte und Normen künftig auch in der Grundschule verbindlich angeboten. Damit erhalten alle Kinder die Möglichkeit, sich altersgerecht mit Fragen des Zusammenlebens, der Demokratie sowie der Verantwortung auseinanderzusetzen und erhalten ethische Orientierung. Und mit dem neuen Gewaltpräventionserlass, der zum neuen Schuljahr in Kraft getreten ist, unterstützt Niedersachsen Schulen zudem bei der Prävention und beim Umgang mit Gewalt.
Zum Schulstart gibt Kultusministerin Julia Willie Hamburg einen Ausblick auf das neue Schuljahr: „Am Ende zählt nicht, was angekündigt wird, sondern was bei Kindern, Jugendlichen und Schulen ankommt. Mehr Lehrkräfte, mehr Unterstützungspersonal, mehr Ganztag, mehr digitale Ausstattung und mehr Unterricht zur Stärkung der Basiskompetenzen: Dieses Schuljahr zeigt, dass viele unserer Investitionen und Reformen konkret im Schulalltag sichtbar werden. Unser Ziel bleibt dabei unverändert: gute Bildung für alle Kinder und Jugendlichen in Niedersachsen, modern, verlässlich und gerecht.“





