Barsinghausen. „Die Zahl der installierten Solaranlagen vervielfachte sich in Barsinghausen erst seit 2023. Die Solarenergienutzung erlebte in den vergangenen Jahren einen enormen Aufwind“, freut sich Gerd Köhler. „Wir halfen als ‚Basche erneurbar‘ dabei und organisierten seit 2023 inzwischen 21 SolarTreffs, die mit jeweils zwischen 60 und 120 Teilnehmenden sehr gut besucht waren. Bei unseren SolarTreffs brachten wir potenzielle Kundinnen und Kunden mit mehr als einem Dutzend Ausstellenden und Anbietern direkt ins Gespräch und in die Umsetzung.“
In der Folge stieg die Zahl der installierten Solaranlagen rasant an. Bereits 2024 konnte sich die Stadt Barsinghausen im Regionsranking der erfolgreichsten Solarkommunen von einem hinteren Platz auf Rang zwei vorarbeiten (KEAN).
Auch die Kirche engagiert sich aktiv: 2025 ließ die Energiegenossenschaft ENER:GO eine PV-Anlage auf dem Gemeindehaus und der Kita der Mariengemeinde installieren. „Wir sind sehr zufrieden mit dem Ertrag der Anlage“, sagte Pastorin Uta Junginger. Pastorin Elke Pankratz-Lehnhoff ergänzte: „Wir haben als Kirchenkreis Ronnenberg eine Rahmenvereinbarung mit der ENER:GO zur Erschließung weiterer Kirchengebäude geschlossen.“
Allerdings ging 2025 die Bereitschaft vieler Bürgerinnen und Bürger, Solaranlagen umzusetzen, ähnlich wie im gesamten Bundesgebiet aufgrund veränderter politischer Rahmenbedingungen wieder zurück. Das zeigt auch die Auswertung des Marktstammdatenregisters.
„Trotz dieser insgesamt enorm positiven Entwicklung haben Erdgas und Heizöl bei der Wärmeversorgung, Benzin und Diesel bei der Mobilität sowie Kohle bei der Stromerzeugung die Energieversorgung von Barsinghausen immer noch fest im Griff“, kritisiert Udo Sahling, Vorsitzender von ‚Basche erneuerbar‘.
Die durch den Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine ausgelöste weltweite Energiekrise habe zwar bei vielen Menschen das Bewusstsein gestärkt, unabhängiger von fossilen Energieträgern werden zu müssen. Dennoch sei bislang zu wenig passiert. „Jetzt erleben wir mit der Sperrung der Straße von Hormus die nächste Preiskrise, und unsere Abhängigkeit dringt erneut ins Bewusstsein. Dass wir mit Despoten wie Putin, Trump und Xi Jinping weiter von einer Krise in die nächste stolpern werden, macht aktuell auch der Irankrieg deutlich“, so Udo Sahling weiter.
Diese Abhängigkeit von Energieimporten lasse sich nur durch den konsequenten Ausbau erneuerbarer Energien in allen Sektoren überwinden – durch Wind- und Solaranlagen in der Stromerzeugung, Wärmepumpen und Nahwärmenetze in der Wärmeversorgung sowie E-Mobilität im Verkehrsbereich.
„Jeder und jede hat es ein Stück weit selbst in der Hand“, erläutert Michael Pöllath aus dem Vorstand von ‚Basche erneuerbar‘. „Selbst wenn die Bundesregierung im Augenblick alles andere als hilfreich ist, rechnen sich für Hausbesitzende und Autofahrende Solaranlagen, Wärmepumpen und E-Mobile – also alles, was man braucht, um unabhängiger zu werden.“
Am Beispiel von Stromverbrauch und Stromerzeugung in Barsinghausen werde das Dilemma deutlich: Noch immer beträgt der Anteil erneuerbarer Energien an der gesamten Stromerzeugung nur rund 30 Prozent. Das bedeutet, dass etwa 70 Prozent des Stroms weiterhin über das Hochspannungsnetz importiert werden müssen. In windschwachen Jahren könne der Anteil erneuerbarer Energien sogar noch geringer ausfallen.
Ähnlich stellt sich die Situation in Hemmingen, Ronnenberg, Seelze und Wennigsen dar. Auch dort liegt der Anteil erneuerbarer Energien bei der Stromversorgung nicht über 30 Prozent – trotz teilweise deutlich geringeren Stromverbrauchs. Gleichzeitig gibt es bereits heute Sonn- und Feiertage mit niedrigem Verbrauch, an denen die Solarstromproduktion den Bedarf zeitweise übersteigt.
„Die Folge können negative Strompreise an der Strombörse in Leipzig sein“, erläutert Frank Glaubitz von Avacon. Bundesweit fehle es weiterhin an ausreichenden Speichermöglichkeiten. „Das Netz in Barsinghausen wird laufend für den Ausbau der Erneuerbaren modernisiert und digitalisiert. Durch den Zubau netzdienlicher Speicherkapazitäten lässt sich langfristig auch die Versorgungssicherheit im Calenberger Land verbessern“, so Glaubitz weiter.
„Durch Biogasanlagen wie unsere in Landringhausen lässt sich die Erzeugung flexibel an den Bedarf anpassen. Die Anlage wird vor allem in den Morgen- und Abendstunden betrieben“, erklärt Jan Warneke als Sprecher der Betreibergemeinschaft der Anlage. Gleichzeitig werde dort die Wärmeversorgung für rund die Hälfte des Ortes sichergestellt.
Die Zahl der Windenergieanlagen stagniert im Calenberger Land seit mehr als 20 Jahren. Die in den 2000er Jahren errichteten Anlagen auf dem Mühlenberg bei Ostermunzel laufen zwar weiterhin zuverlässig, nähern sich jedoch ihrem technisch-wirtschaftlichen Lebensende.
„Leider konnten wir lediglich eine Anlage auf der Stadtgrenze zwischen Barsinghausen und Seelze erfolgreich repowern. Sie wird auch in den kommenden Jahrzehnten zuverlässig Strom für Barsinghausen und Seelze liefern“, blickt Christian Stahl von der Betreibergemeinschaft optimistisch in die Zukunft. „Eine Höhenbeschränkung aufgrund militärischer Auflagen erlaubt allerdings nur eine Gesamthöhe von 180 Metern. Neue Anlagen sind heute 250 bis 270 Meter hoch und entsprechend leistungsfähiger.“
Auch Florian Massante kritisiert die Vorgaben: „Es ist schon seltsam, dass die von REON geplanten Anlagen auf Barsinghäuser Stadtgebiet nördlich von Ostermunzel niedriger gebaut werden müssen als die nur wenige hundert Meter entfernten Anlagen in Seelze.“
Gehrden ist bislang die einzige Kommune im Calenberger Land, die bilanziell bereits zu 100 Prozent mit erneuerbarem Strom versorgt wird. Dazu tragen neben den Windenergieanlagen in Leveste und den Biogas-BHKW in Gehrden und Lenthe zahlreiche PV-Anlagen bei. Die Kommune gilt seit den 2010er Jahren insbesondere bei der Solarstromnutzung auf öffentlichen Dächern als Vorbild für Bürgerinnen, Bürger und Betriebe.
„Beinahe alle öffentlichen Einrichtungen sind dank der Zusammenarbeit mit der ENER:GO Calenberger Land mit PV-Anlagen ausgestattet“, erklärt Bürgermeister Malte Losert stolz.
ENER:GO-Vorstand Etti Jansen blickt auf mehr als zehn Jahre erfolgreiche Arbeit der Energiegenossenschaft zurück: „Wir haben dutzende Gespräche mit Bürgerinnen und Bürgern sowie Betrieben geführt und derzeit zwölf Anlagen am Start. Am Ende ist es uns egal, ob jemand die PV-Anlage selbst oder gemeinsam mit uns baut – Hauptsache, sie wird gebaut.“
Mit zahlreichen Fahrradtouren durch das Calenberger Land zeigt ‚Basche erneuerbar‘ gemeinsam mit Unterstützung des ADFC, wohin die Energiereise gehen muss, wenn das Calenberger Land unabhängig von Erdgas und Erdöl werden will. Einen Überblick über alle geplanten Zukunftstouren bietet der Flyer unter folgendem Link:
www.basche-erneuerbar.de/fileadmin/user_upload/flyer_basche-erneuerbar_zukunftstouren2026.pdf
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