Barsinghausen. Seit rund 40 Jahren besteht die Modellfluggruppe Barsinghausen. Die etwa 80 Mitglieder betreiben ihren Modellflugplatz auf einem gepachteten Feld bei Egestorf. Dort fand nun auch das Sommerfest statt.
Etwas außerhalb von Egestorf, vorbei an Getreide- und Maisfeldern, liegt der Modellflugplatz der Modellfluggruppe Barsinghausen. Zum Sommerfest wurde der Grill angeworfen, dazu gab es kühle Getränke sowie Kaffee und Kuchen. Auch wenn an dem angenehmen Sommertag kräftige Windböen über den Flugplatz wehten, war ständig das Surren der Modellflieger zu hören, oder Kinder warfen kleine bunte Modellflugzeuge in den Wind.
Die Modellbauer präsentierten ihre Flugmodelle, tauschten sich über Technik aus und erklärten Besuchern ihr Hobby. Auch spontane Gäste, die bei einem Spaziergang oder einer Radtour an der Anlage vorbeikamen, nutzten die Gelegenheit, sich das Geschehen anzusehen.
„Wir haben auch einen Simulator, um Neulingen oder auch Besuchern erste Schritte zu ermöglichen, ohne einen Absturz eines Fliegers zu riskieren“, erklärt der 1. Vorsitzende Ulrich Schulz. Dafür wurde der Flugplatz eingescannt und steht nun digital im Simulator zur Verfügung. Auch Hindernisse wie Gräben, Felder und Bäume wurden berücksichtigt. Zusätzlich können weitere Flugplätze und sogar eine Halle geladen werden.
„So kann man sich gut an die Steuerung gewöhnen“, so Schulz weiter. „Wenn das klappt, dürfen die Einsteiger zusammen mit einem Lehrer richtig fliegen. Dabei hat der Lehrer eine eigene Steuerung, um eingreifen zu können.“ Wer anschließend sicher genug ist, darf auch alleine fliegen.
Vom Einsteigermodell bis zum Hightech-Jet
„Das Hobby kann man günstig betreiben“, lacht der Vorsitzende. „Aber es kann auch teuer werden.“
So gibt es fertige Flieger aus Schaumstoff bereits für 100 bis 300 Euro. Beim Sommerfest waren aber auch ein Helikopter im Wert von rund 2.000 Euro sowie ein Jet mit Düsenantrieb für etwa 7.000 Euro zu sehen. „Es gibt auch Turbinenflieger, die bis zu 16.000 Euro kosten können. Nach oben gibt es keine Grenzen. Aber man kann heutzutage sehr günstig einsteigen. Auch die Fernsteuerungen kosten nicht mehr so viel wie früher.“
Klare Regeln auf dem Flugplatz
Auf dem Modellflugplatz gelten klare Sicherheitsregeln. Eine Person übernimmt jeweils den Posten des Flugleiters. Geflogen wird ausschließlich auf Sicht. Die maximale Flughöhe beträgt 300 Meter, der Flugradius rund um den Platz 500 Meter.
Die Flugmodelle dürfen maximal 25 Kilogramm wiegen und eine Lautstärke von 82 Dezibel nicht überschreiten. „Wir fliegen nur tagsüber und an Sonn- und Feiertagen auch nicht zu den Ruhezeiten, um Anlieger nicht zu stören“, erklärt Schulz.
Basteln gehört genauso dazu wie das Fliegen
Im Winter bauen und überarbeiten die Modellbauer ihre Flugzeuge. Einige fliegen in dieser Zeit auch in der Sporthalle am Spalterhals oder in einer Halle in Gehrden.
Im Trend liegen Elektroflieger, wenngleich auch Antriebe mit Methanol, Kerosin und Diesel weiterhin genutzt werden.
„Wir veranstalten neben dem normalen Flugbetrieb unser An- und Abfliegen und laden Gäste zum Tag des Modellbaus ein. Natürlich gehören auch unser Sommerfest und das Silvesterfliegen dazu. Außerdem besuchen wir gerne Modellfluggruppen aus der Umgebung.“
„Das Hobby der 99 Berufe“
Nach etwa fünf Minuten sind die Akkus leer, nach rund zehn Minuten ist der Tank eines Verbrennermodells leer geflogen. „Nur die Segelflieger können bei guter Thermik länger fliegen.“ Dadurch können sich die Modellflieger schnell abwechseln.
Der Verein hat einen Altersdurchschnitt von rund 50 Jahren. Mitglieder zwischen 15 und 90 Jahren sind vertreten, auch wenn sich überwiegend Männer für das Hobby begeistern, so Vorsitzender Schulz.
Olaf Pardey drehte mit seinem Jet einige Runden auf dem Boden und ließ zur Freude der Kinder die Turbine aufheulen. Wegen der starken Windböen wollte er sein rund 7.000 Euro teures Fluggerät jedoch nicht starten. Bis zu 200km/h schafft der zehn Kilogramm schwere Düsenjet. „Wenn man einen Flieger selbst zusammengebaut hat und das über längere Zeit, wachsen sie einem ans Herz. Dann tut es auch weh, wenn ein Flieger für 100 Euro abstürzt.“
Auch Matthias Preuss ist mit Begeisterung dabei: „Das Basteln macht den größten Reiz aus. Es ist das Hobby der 99 Berufe. Man lernt viel und kann eigene Ideen umsetzen. Ja, wenn es dann fliegt, ist es umso schöner.“ Alle hätten sich Schritt für Schritt in das Hobby eingearbeitet, viel über Technik gelernt und dabei auch gelegentlich „Lehrgeld“ zahlen müssen.
Moderne Technik hilft bei der Suche
Kommt es doch einmal zu einem Absturz, helfen GPS-Sender und Ortungspieper dabei, die Flugmodelle in den Feldern wiederzufinden. Bei Bedarf unterstützen die Modellflieger die Suche sogar mit einer Drohne. „Das kommt zum Glück nur sehr selten vor“, berichtet Ulrich Schulz.


