Anzeige
Anzeige
Anzeige

Valentinstag bei den Quappen: 2 Millionen Eier für den Arterhalt einer bedrohten Fischart

„Quappen-Papa“ Helmut Speckmann vom Anglerverband Niedersachsen. Quelle: Florian Möllers (AVN).

Anzeige

Region. Die Quappe ist ein kälteliebender Raubfisch, der auf der aktuellen Roten Liste als gefährdet eingestuft ist. Um ein Verschwinden der faszinierenden Art zu verhindern, züchtet der Anglerverband Niedersachsen (AVN) diese nach. Pünktlich zum baldigen Valentinstag haben Elterntiere in der „AVN-Honeymoon-Suite“ im Norden von Hannover nun erfolgreich abgelaicht: Über 2 Millionen Eier sollen den Fortbestand des einzigen heimischen Süßwasserdorschs im Einzugsgebiet der Weser sichern. Das Land Niedersaschen trägt für den Schutz und den Erhalt der Quappe eine besondere Verantwortung.

Anzeige
Anzeige

„Partnervermittlung für gefährdete Quappen – So könnte man die Artenschutzbemühungen vom Anglerverband Niedersachsen bezeichnen“, mit einem Augenzwinkern berichtet der AVN-Biologe Helmut Speckmann von seiner täglichen Arbeit. Seit etwa 10 Jahren setzen er und sein Team sich aktiv für den Erhalt des Fisches im Leopardenkleid ein. Pünktlich zum Fest der Jugend und der Liebenden haben seine tierischen „Herzblattkandidaten“ nun eine beeindruckende Anzahl von mehreren Millionen Eiern abgelegt. Bei der Nachzucht achtet der Experte vom Fischerei- und Naturschutzverband auf möglichst optimale Haltungsbedingungen.

„Parship“ für bedrohte Quappen: So geht‘s

„Bei unserem Artenschutzprogramm Quappe setzen wir auf eine Technologie gestützte naturnahe Nachzucht“, erklärt Speckmann. Was auf den ersten Blick wie ein Gegensatz klingt, ist laut dem gelernten Fischereibiologen ein guter Weg, um widerstandsfähige Nachkommen in ausreichender Anzahl und mit Hilfe weniger Elterntiere heranzuziehen. In den geschützten Laichbecken paaren sich „Mama und Papa Quappe“ auf natürlichem Wege. Der gelbliche Laich wird abgeschöpft und anschließend in sogenannte Zugergläser gefüllt. Dort werden unter besten Bedingungen maximal viele Nachkommen erbrütet. Dieses technische Hilfsmittel ist mit Blick auf den Gefährdungsgrad der Quappe absolut sinnvoll. Denn die Fischart zählt zu den sogenannten R-Strategen: Sie produzieren einen Überschuss an Nachkommen, betreiben aber keine Brutpflege. Quappendamen können zwar mehrere 100.000 Eier pro kg Körpergewicht ablegen, in der Natur würde sich jedoch nur ein winziger Bruchteil zu überlebensfähigen Larven entwickeln. Bei der Erbrütung der Larven wird darum technisch nachgeholfen.

Ab in die Freiheit!

Nach dem Schlupf zehren die kleinen Larven noch einige Tage von ihrem Dottersack, bis sie endlich schwimm- und fressfähig sind. An dieser Stelle endet das „Verwöhnprogramm“. Ein Teil der Mini-Quappen wird bereits jetzt in die Freiheit entlassen. Der andere Teil wird in naturnah gestalteten Aufzuchtteichen unter extensiven Bedingungen weiter großgezogen. Künstliches Fischfutter gibt es hier nicht. Die angehenden Raubfische müssen sich ihre natürlich vorkommende Nahrung selbst erbeuten. So werden sie optimal auf das Leben in der Wildbahn vorbereitet. Ab einer Größe von 3-6 cm werden die Jungquappen dann von engagierten Angelvereinen in geeignete Gewässer rund um die Weser besetzt. Hier können sie zu stattlichen Exemplaren heranwachsen. In Ausnahmefällen können die Raubfische eine Körperlänge von bis zu 90 cm erreichen. Den Beleg, dass die Wiederansiedlungsbemühungen fruchten, liefern Wiederfänge, auch in Gewässern, in denen Quappen als ausgestorben oder extrem selten galten.

Ohne Angler keine Quappen

Angler werden vielerorts als Naturstörer wahrgenommen. Doch sind es gerade Angelvereine, denen der Schutz heimischer Fische am Herzen liegt und die mit viel Engagement und privaten Geldern Programme wie das AVN-Artenschutzprogramm Quappe am Laufen halten. Laut der aktuellen Rote Liste der Süßwasserfische, Rundmäuler und Krebse „trägt Niedersachsen eine besonders hohe Verantwortung für Schutz und Erhalt der Quappen, insbesondere in den Flussgebieten von Weser und Ems.“ Gut, dass zumindest Anglerinnen und Angler dieser Verantwortung nachkommen. Ohne sie wäre der Raubfisch mit nur einer Bartel am Kinn wohl schon längst aus unseren Gewässern verschwunden.

Anzeige