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Carlos letzter Wunsch: Einmal noch das Glück herausfordern

Fahrgast Detlef mit seiner Schwester Linda und den beiden ehrenamtlichen ASB-Wunscherfüllerinnen Lea Neumann und Christiane Schrader (v.l.n.r.). Quelle: ASB OV Hannover.

Gleidingen. Detlef aus Gleidingen ist schwerst an Krebs erkrankt, wird vermutlich bald sterben. Ein großer Herzenswunsch ist für den 63-Jährigen nun trotzdem in Erfüllung gegangen: Mit dem Wünschewagen vom Arbeiter-Samariter-Bund Niedersachsen Landesverband Niedersachsen e.V. (ASB) hat der Palliativpatient nun einen letzten Ausflug durch seinen Ortsteil gemacht. Hat alte Bekannte am Lieblingskiosk getroffen und sein Glück in der Spielhalle herausgefordert. Eine wahrlich besondere Wunschfahrt!

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Gejubelt hat Detlef am Telefon, als er gehört hat, dass sein letzter Wunsch wahr wird. Laut sogar! Sich mächtig gefreut. Denn gute Nachrichten – die gibt es im Leben des 63-Jährigen schon seit langem nicht mehr. Viele, viele Wochen schon hat er seine Wohnung krankheitsbedingt nicht mehr verlassen können. Liegt dort nun Tag ein, Tag aus in seinem Pflegebett. Und träumt von draußen.

Unter Menschen – das war Detlef immer gerne. „Carlo“ nennen ihn seine Kumpel. Und „Carlo“ möchte er auch vom ASB-Team genannt werden. Unter dem Namen ist er in Gleidingen bekannt wie ein bunter Hund. Unter Menschen, das möchte Carlo auch an seinem Wunschfahrttag. Und zwar am Kiosk von Maike Vogel. Beinahe jeden Tag war er früher da. Hat hier einen Stammplatz zum Kaffee trinken und Rauchen. Zum Quatschen. Auch jetzt nimmt er den sofort ein, als ihn die ehrenamtlichen ASB-Wunscherfüllerinnen Christiane Schraderund Lea Neumann mit dem ASB-Wünschewagen an den ersten Stopp des Tages bringen. Das Willkommen vor Ort: Rau, aber herzlich! Viele Kiosk-Kunden machen große Augen, ihn endlich mal wieder zu sehen. Sprechen ihn freudestrahlen an: „Hey, was machst du denn hier? Wie schön!“ Und Maike Vogel, Freundin und Betreiberin, gibt der Reisegruppe Kaffee aus. Sagt dann zu "Carlo", als der seine Zigaretten zahlen will: „Das sind ja die letzten 10 Euro, die ich von dir bekomme. Die rahme ich mir ein.“ Und in diesem auf den ersten Blick frotzelig klingenden Satz schwingt ganz viel Rührung mit. Man mag sich hier.

Doch nicht nur im Kiosk ist "Carlo" gerne gesehen, auch in der Spielhalle Fun City“ ist der Krebspatient beliebt: Zur Begrüßung wird er vom Personal geherzt und gedrückt. Die Wiedersehensfreude ist riesig. Natürlich auch bei "Carlo", der hier früher zweimal die Woche vorbeigeschaut, gezockt hat. Im WüWa-Tragestuhl lässt er sich direkt vor die Spielautomaten fahren, beginnt zu spielen. Vergisst die Welt um sich herum. Und Gott sei Dank auch seine Schmerzen. Ist frohen Mutes. Seine Schwester Linda, die Geburtstag hat und als Reisebegleitung mit auf Wunschfahrt gegangen ist, versucht sich ebenfalls am Automaten. Gewinnt sofort 40 Euro. Anfängerglück. Das Geld wandert in den Wünschewagen-Spendentopf.

Erst am späten Nachmittag will der ASB-Fahrgast zurück in seine Wohnung. Die Beine machen nicht mehr mit. Das Sitzen fällt schwer. Zum Abschied von den ehrenamtlichen Wunscherfüllerinnen sitzt der Kloß im Hals bei den Geschwistern fest. Sie wissen, dass dies der letzte Ausflug des Palliativpatienten nach draußen war.

Für Wunscherfüllerin und Pflegefachkraft Lea Neumann ist "Carlos" Wunschfahrt etwas ganz Besonderes: „Sie zeigt mir wieder einmal mehr, wie wichtig selbst die auf den ersten Blick scheinbar allerkleinsten Wünsche sind für jemanden, der sie sich nicht mehr selbst erfüllen kann. Und wie viel Glück wir Anderen haben, dass wir ganz alltägliche Dinge völlig selbständig machen können. Wir sollten das vielmehr schätzen und dankbar sein.“

Damit Sterbende wunschlos gehen können: Das ist der ASB-Wünschewagen

Carlos Reise war bereits die 692. Wunschfahrt des niedersächsischen ASB-Wünschewagens. Seit 2017 Jahren erfüllen die Samariter:innen mit ihrem Ehrenamtsprojekt die letzten Wünsche von Sterbenden. Die Touren führen die besonderen Reisenden auf letzten Wunschwege – wenn der gesundheitliche Zustand es erfordert, auch im Rollstuhl oder mit Beatmungsgerät und Magensonde. Denn das Fahrzeug ist ein „Krankenwagen in gemütlich“ und gänzlich auf die speziellen Bedürfnisse der Gäste konstruiert: Ausgestattet ist er u.a. mit notfallmedizinischer Ausstattung, speziellen Stoßdämpfern, einer Musikanlage und einem harmonischen Arrangement aus Licht und Glas, das die „Reise“ zum Wohlfühl-Erlebnis werden lässt. Das Projekt finanziert sich ausschließlich über Spenden und ASB-Mitgliedsbeiträge und wird ermöglicht durch das Engagement freiwilliger Wunscherfüllerinnen und Wunscherfüller – qualifizierte medizinische Fachkräfte –, die die Fahrten begleiten. Reisenden und ihren vertrauten Begleitpersonen entstehen keine Kosten.

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