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Hemmingen: „Einige waren Nachbarn“

Hemmingen. Wanderausstellung im Rathaus beleuchtet Täterschaft, Mitläufertum und Widerstand – Eröffnung am 9. November bei freiem Eintritt.

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Wie konnte der Holocaust möglich werden? Welche Rolle spielten Menschen, die nicht unmittelbar zu den Hauptverantwortlichen gehörten, aber durch ihr Handeln, Wegsehen oder Schweigen zur Verfolgung ihrer Mitmenschen beitrugen? Mit diesen Fragen beschäftigt sich die Ausstellung „Einige waren Nachbarn – Täterschaft, Mitläufertum und Widerstand“, die vom 9. bis 29. November im Rathaus Hemmingen zu sehen sein wird. Dem Bündnis für Demokratie und Weltoffenheit in Hemmingen ist es gelungen, die Wanderausstellung des United States Holocaust Memorial Museum nach Hemmingen zu holen. Die feierliche Eröffnung findet am Montag, 9. November, um 19 Uhr statt. Der Eintritt ist frei.

Wie aus Nachbarn Täter und Mitläufer wurden

Im Mittelpunkt der Ausstellung steht die Frage, welche Rolle die gewöhnliche Bevölkerung während der nationalsozialistischen Judenverfolgung spielte. Denn neben den politischen und militärischen Hauptverantwortlichen waren zahlreiche weitere Menschen an der Ausgrenzung, Verfolgung und Ermordung jüdischer Mitbürger beteiligt oder duldeten das Geschehen durch Schweigen und Wegsehen. Dabei handelte es sich häufig um Menschen aus dem unmittelbaren persönlichen Umfeld der Verfolgten: Nachbarn, Bekannte oder Arbeitskollegen. Gleichzeitig gab es Menschen, die sich widersetzten, Verfolgten halfen und trotz persönlicher Risiken Zivilcourage bewiesen. Die Ausstellung zeigt, wie Ausgrenzung und Diskriminierung schrittweise zum gesellschaftlichen Alltag werden konnten. Sie beschäftigt sich auch mit den Beweggründen der Menschen, die sich an der Verfolgung beteiligten, diese hinnahmen oder sich bewusst dagegenstellten.

Ausstellung soll zum Nachdenken anregen

Neben der historischen Auseinandersetzung möchten die Veranstalter auch Fragen aufwerfen, die für die heutige Gesellschaft von Bedeutung sind. Wie entstehen Vorurteile? Warum übernehmen Menschen Meinungen, ohne diese kritisch zu hinterfragen? Und wann ist es notwendig, Haltung zu zeigen und Diskriminierung entschieden entgegenzutreten? Dabei betonen die Organisatoren, dass der Holocaust in seiner historischen Dimension und beispiellosen Grausamkeit niemals verharmlost oder relativiert werden dürfe. Vielmehr gehe es darum, die Erinnerung wachzuhalten und das Bewusstsein für die Verantwortung jedes Einzelnen zu stärken.

Kostenlose Führungen geplant

Die Ausstellung ist vom 9. bis einschließlich 29. November im Rathaus Hemmingen zu sehen. Zusätzlich sollen kostenlose interaktive Führungen angeboten werden. Weitere Informationen zu den Terminen und zum Ablauf wollen die Veranstalter noch bekannt geben. Organisiert wird die Ausstellung vom Bündnis für Demokratie und Weltoffenheit in Hemmingen gemeinsam mit der Stadt Hemmingen. Zur Verfügung gestellt wird die Wanderausstellung durch den Verein Aktion Zivilcourage.

Die Eröffnung am 9. November fällt zugleich auf den Jahrestag der Novemberpogrome von 1938, bei denen Nationalsozialisten und ihre Unterstützer jüdische Geschäfte, Wohnungen und Synagogen zerstörten und jüdische Menschen misshandelten, verschleppten und ermordeten. Damit erhält die Ausstellungseröffnung ein besonderes historisches Gewicht.

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