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Hochwasserstaudamm für Jeinsen beschlossen – Grüne sehen weiter offenen Klärungsbedarf

Die Gestorfer Beeke an der B3. Foto: Uwe Hammerschmidt.

Pattensen. Der Rat der Stadt Pattensen hat in seiner jüngsten Sitzung mit großer Mehrheit den Bau eines Hochwasserstaudamms für Jeinsen beschlossen. Die Kosten für das Projekt werden derzeit auf rund 3,5 Millionen Euro geschätzt.

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Die Ratsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen Pattensen unterstützt grundsätzlich Maßnahmen zum besseren Hochwasserschutz. Hintergrund sind unter anderem die Erfahrungen des Pfingsthochwassers 1997, bei dem es in der Region zu erheblichen Schäden gekommen war. Mit Blick auf zunehmende Extremwetterereignisse infolge des Klimawandels sei es richtig, dass die Stadt Schutzmaßnahmen prüfe und vorbereite.

Dennoch äußern die Grünen weiterhin Bedenken zur nun beschlossenen Variante eines großen Rückhaltebeckens. Aus Sicht der Fraktion seien Fragen zur Wirksamkeit, Verhältnismäßigkeit und zu den langfristigen Kosten bislang nicht ausreichend geklärt.

Ratsfrau Sandra Stets erklärte, man brauche zwar einen wirksamen Hochwasserschutz, gleichzeitig müsse aber sichergestellt werden, dass die Maßnahmen angemessen und langfristig tragfähig seien. Sie hätte sich nach der Vorstellung der verschiedenen Varianten mehr Zeit für eine vertiefte politische Beratung gewünscht.

Die Grünen werfen zudem die Frage auf, ob alternative Lösungen wie größere Retentionsflächen oder mobile Hochwasserschutzeinrichtungen ebenfalls ausreichend geprüft wurden. Gerade bei kleineren Gewässern wie der Gestorfer Beeke müsse bewertet werden, welche Maßnahmen mit welchem Mitteleinsatz den größten Nutzen bringen.

Kritisch sieht die Fraktion außerdem, dass bislang keine umfassende Darstellung möglicher Folgekosten vorliege. Dazu zählen aus Sicht der Grünen mögliche Entschädigungszahlungen im Schadensfall sowie langfristige Aufwendungen für Betrieb, Kontrolle und Unterhaltung des Bauwerks.

Auch die grundsätzliche Ausrichtung des Hochwasserschutzes in Pattensen müsse diskutiert werden. Nach Ansicht der Grünen dürfe die Debatte nicht allein auf Jeinsen beschränkt bleiben. Auch andere Gewässer wie Gestorfer Bach, Hüpeder Bach oder Schille könnten bei Starkregen problematisch werden. Daher fordern die Grünen ein gesamtstädtisches Konzept für Hochwasser- und Starkregenvorsorge.

Neben technischen Bauwerken sprechen sich die Grünen verstärkt für naturnahe und vorbeugende Maßnahmen aus. Dazu zählen unter anderem Flächenentsiegelung, Wasserrückhalt in der Landschaft, Renaturierungen sowie eine vorausschauende Bauleitplanung.

Die Fraktion betont, dass Hochwasserschutz eine dauerhafte Aufgabe der kommunalen Daseinsvorsorge sei. Entscheidungen müssten deshalb transparent, fachlich fundiert und mit Blick auf Kosten, Nutzen und Eingriffe in Natur und Landschaft getroffen werden.

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