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Leserbrief: Assistenzhunde im Alltag: Betroffene aus Wennigsen klären auf

Bilder Hunde Quelle: privat.

Wennigsen. Medizinische Assistenzhunde werden eingesetzt für Menschen mit Behinderungen und Beeinträchtigungen, die nicht immer nach außen sichtbar sind. Im Alltag der Betroffenen ergeben sich vielfältige Schwierigkeiten sowohl durch Diskriminierung, durch fehlendes Wissen über die Rechte eines Assistenzhundes und durch mangelnde Aufklärung der Bevölkerung, wie man sich Betroffenen mit Assistenzhund gegenüber verhalten sollte.

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„Das Behindertengleichstellungsgesetz (§12a BGG) garantiert Menschen mit Behinderung und ihrem Assistenzhund, dass ihnen der Zutritt zu öffentlichen und privaten Einrichtungen, wie Arztpraxen, Behörden, Supermärkten, öffentlichen Verkehrsmitteln usw. gewährt werden muss. Mensch-Assistenzhund-Teams verfügen über einen Lichtbildausweis und der Hund trägt im Einsatz eine Kenndecke mit der Aufschrift ASSISTENZHUND.

Einen zertifizierten Assistenzhund bekommt man nicht einfach so, sondern nur mit dem Nachweis einer medizinischen Notwendigkeit. Der Hund wird über ca. 2 Jahre ausgebildet und anschließend offiziell geprüft, während die Assistenzhundeverordnung (AHundV) die genauen Standards für Eignung und Prüfung regelt.

Wir, das sind zwei Betroffene mit ihren medizinischen Assistenzhunden Nike und Ivar aus Wennigsen, möchten in diesem Artikel zur Aufklärung beitragen. Manche Supermärkte und Drogerien in Wennigsen setzen das Gesetz schon besonders gut um; von uns vorweg ein Dankeschön an Edeka, Rewe und Rossmann.

Mitarbeitende in Supermärkten beispielsweise sollten genau schauen, ob es sich bei dem Hund, der den Laden betritt, um einen Assistenzhund handelt. Bei Unsicherheiten, ob das seine Richtigkeit hat, können die Betroffenen gerne nach ihrem Ausweis gefragt werden. Jedoch ist es unschön, wenn das Supermarktpersonal quer durch den Laden ruft, was denn der Hund dort zu suchen hätte. Auch Freundlichkeit und Rücksichtnahme werden gern von uns gesehen. Leider kommt es immer noch in bestimmten Läden vor, dass Menschen mit Assistenzhund vom Personal schroff angefahren werden. Solches Verhalten ist diskriminierend und kann verheerende Folgen bei den Betroffenen auslösen, je nach Beeinträchtigung kann dieses sogar bis zu einem Notfall führen, der nicht ohne (ärztliche) Hilfe aufgelöst werden kann.

Oftmals werden wir als Betroffene von Menschen im Supermarkt angesprochen und, wenn auch oft höflich, gefragt, für welches Leiden der Assistenzhund ausgebildet sei. Das spiegelt zwar freundliches Interesse, kann jedoch eine Grenzüberschreitung für Betroffene bedeuten. Vergleichsweise wäre es so, als wenn wir durch den Supermarkt gingen und Fremde nach ihren Erkrankungen fragten. Das würden sicher einige Menschen als indiskret empfinden. Allgemein lässt sich sagen, ohne auf unsere spezifischen Beeinträchtigungen einzugehen, dass es viele verschiedene Arten von Assistenzhunden gibt, die Leiden lindern, Krisen anzeigen und im Notfall den Betroffenen auf individuelle Weise helfen. Beispiele sind Signalassistenzhunde, Warn und Anzeige-Assistenzhunde, wie Diabetikerwarnhunde und Epilepsiewarnhunde, Hunde für schwere Allergiker, PSB-Assistenzhunde, speziell für Menschen mit psychosozialen Beeinträchtigungen, wie Autismus-Spektrum-Störung, posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS), schwerer Angstsstörung. Weiterhin Mobilitätsassistenzhunde für Menschen mit körperlichen Einschränkungen und Blindenführhunde.

Für die Begegnung mit einem Assistenzhund bitten wir höflich um Beachtung folgender Regeln:

Den Hund bitte NICHT

- ansprechen

- ansehen bzw. anstarren

- streicheln

- füttern

Teilweise sind entsprechende Symbole für diese Regeln auf den Kenndecken zu sehen. Leider ist dies vielen Menschen nicht klar und unbedacht wird dem Hund von Fremden einfach mal über den Kopf gestreichelt oder das Wort an sie gerichtet, wie z.B. freundlich „Ach, du bist ja ein ganz Süßer!“ oder auch weniger freundlich: „Muss der Hund hier im Weg stehen?“ Jegliche Ansprache von Fremden lenkt den Hund von seiner Aufgabe und Arbeit ab. Tatsächlich übernehmen Assistenzhunde oft die Aufgabe, Gänge im Supermarkt zu blockieren oder sie halten uns den Rücken an der Kasse frei, indem sie hinter den Betroffenen stehen. Hier freuen wir uns ebenfalls über Rücksichtnahme!

Bitte NICHT

- den Hund mit dem Einkaufswagen anfahren,

- zu dicht auf den Hund aufrücken (1Meter Abstand),

- mal eben über den Hund hinweg greifen, um etwas aus dem Regal zu nehmen, vor dem der Hund abgelegt wurde,

- an dem Hund vorbei quetschen, wenn er einen Gang blockiert!

Bitte halten Sie Abstand und warten ggf. bis der Hund von seine*r Besitzer*in weiter geführt wird. Ängstliche Mitmenschen brauchen sich keine Sorgen zu machen, Assistenzhunde sind freundliche Tiere, die nicht beißen und wir achten natürlich auch darauf, dass die Hunde niemanden bedrängen oder stören.

Wir bedanken uns herzlich bei allen Menschen, die uns mit Rücksichtnahme und Verständnis begegnen!“

A. Stoya mit Nike

S. P. mit Iva

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