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Versuchter Mord in Springe – Wer hat der Einjährigen Quecksilber gespritzt?

Alexander K. und Maike W. vor dem Landgericht Hannover.

Hannover/Springe. Am Dienstagvormittag hat der Prozess gegen Alexander K. (30) und Maike W. (34) am Landgericht Hannover begonnen. Beiden wird u.a. versuchter Mord vorgeworfen, da sie im Sommer 2023 der leiblichen Tochter von K. in Springe gemeinschaftlich Quecksilber injiziert haben sollen. Zur Tatzeit war das Kind keine Zwei Jahre alt. Beide gaben vor Gericht an, vollkommen überrascht über die Tat und die Vorwürfe zu sein. K. zog W. und deren Tochter jedoch als mögliche Täterin in Betracht, sofern sich die Tat so abgespielt haben sollte. Die Mutter berichtete vom Leidensweg der Tochter.

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Die Staatsanwaltschaft Hannover wirft Alexander K. (30) und Maike W. vor, dass damals einjährige Kind gemeinsam mit Quecksilber vergiftet zu haben. K. lebt in Trennung von seiner Frau, diese verließ ihn nur vier Tage nach der Geburt des Kindes. Das Verhältnis zur Ex-Frau wurde von K. in einer Stellungnahme als sehr schwierig beschrieben. Laut Staatsanwaltschaft soll K. sein Kind vergiftet haben, um sich an der Ex-Frau zu rächen. K. und W. – er Krankenpfleger und sie ausgebildete Rettungssanitäterin – hätten demnach gewusst, was eine Quecksilbervergiftung anrichte. Sie hätten wissentlich in Kauf genommen, dass das Kind einem schleichenden und langwierigen Leidensweg ausgesetzt werde, womöglich versterbe. Das Gift wurde in den hinteren Oberschenkel und zwischen die Zehen gespritzt. Laut Staatsanwaltschaft müssen K. und W. das Kind bei den schmerzhaften Einstichen gewaltsam festgehalten haben.  

Vater und Lebensgefährtin äußern sich und bestreiten die Tat

K. ging auf die Beziehung zu seiner Ex-Frau ein. Er sei nach der Geburt überfordert gewesen. Nach der Trennung sei das Verhältnis zu seiner Ex mehr als schwierig gewesen. Das Sorgerecht hätten sich beide geteilt, er ein Umgangsrecht gehabt. Außerdem kümmere er sich um seinen dementen Großvater, der ebenfalls in seinem Haus wohne und viel Betreuung brauche. Da die Ex-Frau 2023 zur Kur wollte, sei der Umgangstermin damals kurzfristig verschoben worden. Vier Stunden verbrachten K. und W. am 24. Juli 2023 mit der Einjährigen. Auch die Tochter von W., welche eine geistige Beeinträchtigung habe, sei dabei gewesen. Immer wieder habe er nach dem Großvater gesehen, W. und ihre Tochter seien dann allein mit seiner Tochter gewesen. Als er und seine Lebensgefährtin die Tochter zurück zu seiner Ex-Frau brachten, sei das Kind glücklich und wohlauf gewesen.

Die Staatsanwaltschaft wirft K. auch vor, sich zuvor über Quecksilber im Internet informiert zu haben. K. erklärt Suchanfragen aus seinem Browserverlauf damit, dass er als True Crime-Fan eine Folge von „Aktenzeichen XY … ungelöst“ gesehen habe, in der es um eine Quecksilbervergiftung ging. Dies habe ihn interessiert. Quecksilber war auch das Stichwort bei Großvaters Geburtstagsgeschenk. Dafür wollten K. und W. eine „Wetterstation“ für den dementen Mann besorgen. W. habe nachgefragt, ob ein ausgesuchtes Modell Quecksilber enthalte, berichtete K. vor Gericht. K. kann sich vorstellen, dass, wenn der Tatverlauf so war, wie die Staatsanwaltschaft es beschreibt, W. und deren Tochter die Einjährige vergiftet hätten. Er wäre, wenn es so war, nicht dabei gewesen. Der geistig beeinträchtigten Tochter von W. könne man alles sagen und diese mache es dann, ohne sich später noch zu erinnern. „Ich habe keinen Grund meiner Tochter etwas anzutun, ich liebe sie doch“, so der Angeklagte. Wenn Maike W. seine Tochter vergiftet habe, dann wegen der Beziehung zu ihm und um diese zu festigen.

 

Lebensgefährtin ließ Kind von Alexander K. heimlich abtreiben

 

Unter Tränen äußerte sich Maike W. zu den Anschuldigungen und der Beziehung zu K. Über einen Pflegedienst hätten sich beide kennengelernt. Sie habe die Ausbildung zur Rettungssanitäterin nur gemacht, um für ihre beeinträchtigte Tochter zu sorgen. Die Wetterstation als Geburtstagsgeschenk sei die Idee von K. gewesen, jedoch hätte sie im Internet einen privaten Verkäufer gefunden und das Geschenk gekauft. Danach hätte K. es an sich genommen. Entgegen den Anschuldigungen von K. hätte sie in der Vergangenheit eher an Trennung gedacht als daran, die Beziehung zu festigen. K. sei wiederholt ausgerastet, laut und launisch gewesen. Nach einem Streit habe er sie davongejagt und habe eine Sauerstoffflasche, die eigentlich für ihre Tochter wichtig sei, für den Großvater behalten. Als sie von K. schwanger wurde, habe sie heimlich einen Termin zur Abtreibung gemacht. „Meine Tochter lag wegen eines Krampfanfalls im Krankenhaus. Ich habe die Zeit dann für die Abtreibung genutzt. K. habe ich nichts erzählt, damit er mich nicht in meiner Entscheidung beeinflussen kann. Ich wollte in dieser Situation kein weiteres Kind.“

Mutter sagt aus und beschreibt Leidensweg der Tochter

„Sie humpelte etwas, als sie nach dem Umgangstermin zurückgebracht wurde“, beschreibt Mutter Katrin K. den Abend des Montags (24. Juli 2023). K. und W. hätten ihre Tochter gemeinsam gebracht. Das Humpeln habe sie nicht angesprochen. Die Beziehung zu K. sei sehr schlecht gewesen und habe nur noch aus Schuldzuweisungen bestanden. Kommuniziert wurde über ein Umgangsbuch. Die Nacht sei dann sehr schlimm gewesen. Das Kind habe schrecklich geweint und hätte Schmerzen gehabt. „Jedoch konnten wir keine Verletzung finden.“ K. wollte sie nicht fragen, da dieser keine Antworten geben würde, sondern nur „Bomben von Emails“ loslassen würde, beschreibt die junge Mutter (28) aus Springe. Am Mittwoch sei sie dann mit der Tochter zur Kur. Dort sei die erste Nachricht gewesen, dass K. eine Email an das Kur-Personal geschrieben hatte, um über alles, was mit seiner Tochter passiere, informiert zu werden.

Schnell verschlechterte sich dann der Gesundheitszustand des kleinen Mädchens. Die Kur-Ärztin überwies an ein örtliches Krankenhaus. Medizin half nicht. Der Fuß schwoll immer weiter an, das Kind weinte nur noch. „Am Freitag hat sie nur noch geschrien. Die Ärzte vermuteten erst einen Insektenstich, doch dann schickten sie uns mit dem Helikopter ins Kinderkrankenhaus in Hannover.“ Die Ärzte hatten der Beschreibung nach Mühe all den Eiter aus dem Fuß des Kindes zu holen. Erst später bemerkten die Ärzte „etwas Fremdes“ im Fuß – Quecksilber. Daraufhin stellte das Krankenhaus Anzeige gegen unbekannt. „Doch ich sagte, da muss etwas beim Umgangstermin passiert sein, ich möchte das Anzeige gegen K. gestellt wird“, so die Mutter. Bei einem Besuch zuvor von K. im Krankenhaus gab es massiven Streit. K. habe sich dann nicht mehr gemeldet, was die 28-Jährige merkwürdig empfand, habe K. doch stets „Wellen von Emails“ losgelassen.

Auf Nachfrage zur Beziehung erklärt die Mutter, das Alexander K. die Trennung nie akzeptiert habe. Danach sei er aufdringlich gewesen. Er schickte viele Mails und forderte sie auf, jeden Tag einen Bericht über die Tochter zu schicken, um ihn zu informieren. Es kam zum Umgangsrecht und der Kommunikation über das Umgangsbuch. Er habe das Kind zwar auch gewollt, beschreibt die Mutter die Schwangerschaft, jedoch wenig Verständnis für ihre Belange in der Schwangerschaft gezeigt und sei aggressiv gewesen und habe bei Wutanfällen Möbel zerschlagen. „Er wollte alles kontrollieren und sah nur das, was für ihn wichtig ist. Er baute psychischen Druck auf und sagte, wenn ich ihn verlasse, dann bringt er sich um und dann werde auch sein Großvater sterben.“ Gelogen habe K. bei seinem Beruf. Er habe ihr gesagt, er sei Krankenpfleger. „Als er seinen Job verlor, habe ich Bewerbungen für ihn geschrieben. Er wollte eigentlich zuhause bleiben und ich sollte arbeiten. Dabei habe ich gemerkt, dass er eine Ausbildung zum Altenpfleger hat und nicht zum Krankenpfleger.“ Dies habe K. aus Scham nicht gesagt, um sich besser darzustellen. Laut Katrin K. folgten weitere berufliche Probleme und Ungereimtheiten. Unterhalt zahlte er nach der Trennung nach eigenem Ermessen.

Tochter musste 10x operiert werden

Den Richter interessierte am ersten Verhandlungstag auch, wie es der Tochter nun geht. Zehn Operationen, teils stundenlang, seien nötig gewesen, um alles Quecksilber aus dem Körper zu holen. Noch immer sei der Blutwert viel zu hoch. Zwei Monate hätten sie im Krankenhaus verbracht. Motorische Beeinträchtigungen hätte das Kind nicht mehr, sei jedoch traumatisiert. Außerdem leide es unter Problemen mit den Augen. Die Hornhaut sei ausgetrocknet und die Augen sehr lichtempfindlich. „Sie schreit bei den Augentropfen und hält sich bei Licht die Augen zu. Wir verbringen viel zeit in abgedunkelten Räumen.“ Ihre Tochter könne sich nicht wie eine normale Zweijährige entfalten.

Elf Verhandlungstage sind am Landgericht Hannover angesetzt. Das Urteil wird Anfang April erwartet.

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