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Immer mehr Kinder und Jugendliche begehen Straftaten

Sie stellen die Kriminalstatistik der Polizei für Barsinghausen vor: Jochim Eickmeyer (von links), Margarita Kahlmeyer und Ludger Westermann.

Barsinghausen. Mehr Straftaten, aber auch mehr aufgeklärte Fälle - so fällt die Kriminalstatistik des Polizeikommissariats Barsinghausen für das Jahr 2023 aus. Mit insgesamt 2202 Taten registrierte die Polizei in der Deisterstadt eine Zunahme um rund drei Prozent im Vergleich zum Vorjahr mit damals 2138 Straftaten. Die Aufklärungsquote stieg ebenfalls - von 69 auf nunmehr knapp 72 Prozent. Auffällig: Immer mehr strafunmündige Kinder bis zu 14 Jahren sowie Jugendliche gehören zu den Tatverdächtigen..

So stieg die Zahl der tatverdächtigen Kinder innerhalb eines Jahres von 62 auf 88, die mit insgesamt 73 Taten in der Kriminalstatistik auftauchen - eine Zunahme um 21,67 Prozent. Bei den Jugendlichen bis 18 Jahren kletterte die Zahl der Straftaten gar um 28,28 Prozent von 181 auf 232. Ins Visier der Polizei gerieten 151 jugendliche Tatverdächtige, im Jahr zuvor waren es 40 weniger. Während bei den Jugendlichen insbesondere Drogendelikte und Diebstähle die Schwerpunkte bilden, sind es bei den Kindern vor allem (Laden-)Diebstähle.

Und: In beiden Altersgruppen erreichen die Körperverletzungen traurige Spitzenwerten mit 14 Fällen (sieben im Jahr 2022) bei den Kindern und 33 (18) bei den Jugendlichen. Kommissariatsleiter Ludger Westermann sieht in diesen Zahlen einen Beleg für die fortschreitende Verrohung innerhalb der Gesellschaft. "Viele Schulen klagen über die mangelhaft ausgebildete Empathiefähigkeit bei Kindern. Die Sozialkontrolle ist in vielen Bereichen aus den Fugen geraten. Wir müssen es als Polizei dann oftmals ausbaden", sagte Westermann am Mittwoch bei der Präsentation der Kriminalstatistik für 2023.

Drei junge Intensivtäter haben die Polizei in der Deisterstadt ganz besonders in Unruhe versetzt. Eine 15-Jährige sowie ein 18-Jähriger werden unabhängig voneinander für etwa 80 Taten verantwortlich gemacht. Dazu gehören auch diverse Raubdelikte. Eine weitere und mittlerweile inhaftierte 16-jährige Intensivtäterin war bereits im Jahr 2022 für nahezu 60 Straftaten verantwortlich. Ein Teil dieser Straftaten fällt wegen einer späteren Übrgabe an die Staatsanwaltschaft ebenfalls in die Statistik für 2023.

Für die allgemeine Steigerung auf insgesamt 2202 Straftaten im Jahr 2023 können der Kommissariatsleiter sowie Margarita Kahlmeyer als Ermittlungsführerin und Joachim Eickmeyer als Kriminalchef keine besonderen Serientaten oder bestimmte Personengruppe verantwortlich machen. Zudem habe eine Unterscheidung in deutsche und nicht-deutsche Tätergruppen laut Ludger Westermann für das Geschehen in Barsinghausen keinerlei Aussagekraft.

Zum Anstieg der Fallzahlen tragen mehrere Deliktgruppen bei - insbesondere die Diebstähle mit 500 Fällen, Betrügereien (256), Rauschgiftdelikte (201) sowie Rohheiten wie Raub und Körperverletzungen mit insgesant 504 Fällen. Bestimmte Ursachen für die große Zahl der Rohheitsdelikte seien ebenfalls nicht auszumachen, sagte der Kommissariatsleiter. "Da gibt es ganz vielschichtige Gründe. Aber die allgemein aggressivere Grundstimmung und Verrohung in unserer Gesellschaft spielt dabei eine wesentliche Rolle", sagte Westermann. Auch die Corona-Zeit habe zu Veränderungen im Verhalten vieler Menschen geführt.

Bei den Wohnungseinbruchdiebstählen verzeichnete die Polizei einen Anstieg von 13 auf 25 Taten. Bis auf eine kleinere Serie von Einbrüchen in Landringhausen sowie drei Fälle in Hohenbostel und Winninghausen stellten die Beamten jedoch keine spezielle Häufung fest. Immerhin 16 Prozent der Wohnungseinbrüche wurden aufgeklärt. Im Bereich der 256 Betrugsdelikte sticht insbesondere eine Serie von 66 Taten mit Internet-Bestellungen ins Gewicht, die von einer 28-jährigen Frau begangen wurde.

Mit einer Aufklärungsquote von exakt 71,87 Prozent bewegt sich die Polizei in Barsinghausen nach Angaben der Kommissariatsleitung auf hohem Niveau. In den vergangenen zehn Jahren lag die Quote lediglich in den Jahren 2020 (77,68 Prozent) und 2017 mit 72 Prozent höher. "Diese Zahlen bei der Aufklärung zeigen, dass hier bei uns gute Arbeit geleister wird", betonte Joachim Eickmeyer als Leiter des Kriminal- und Ermittlungsdienstes (KED).

 


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