Hannover. Die Kriminalität in Niedersachsen ist im Jahr 2025 erneut zurückgegangen. Wie Innenministerin Daniela Behrens am 16. März bei der Vorstellung der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) erklärte, wurden weniger Straftaten registriert als im Vorjahr..
Die Aufklärungsquote liegt weiterhin auf einem hohen Niveau von 62,72 Prozent. Insgesamt sank die Zahl der registrierten Straftaten um 4,28 Prozent. Auch die sogenannte Häufigkeitszahl – also Straftaten pro 100.000 Einwohner – ging zurück und liegt mit 6.329 Fällen auf dem drittniedrigsten Stand der vergangenen zehn Jahre.
Innenministerin Behrens erklärte: „Niedersachsen ist im vergangenen Jahr noch sicherer geworden: Für das Jahr 2025 verzeichnen wir weniger Straftaten, eine geringere Häufigkeitszahl und eine weiterhin hohe Aufklärungsquote.“
Gleichzeitig warnte sie davor, den positiven Trend überzubewerten:
„Zur Wahrheit gehört aber auch: Es gibt Auffälligkeiten in einzelnen Phänomenbereichen und wir dürfen uns auf dem insgesamt positiven Trend nicht ausruhen.“
Häusliche Gewalt bleibt auf hohem Niveau
Der Begriff „Häusliche Gewalt“ bezeichnet keine einzelne Straftat, sondern ein Kriminalitätsphänomen, das verschiedene Delikte in unterschiedlichen Konstellationen umfasst – von Sachbeschädigung bis hin zu Mord. Die Zahl der Fälle häuslicher Gewalt blieb im Jahr 2025 nahezu unverändert. Insgesamt registrierte die Polizei 32.540 Fälle – nahezu genauso viele wie im Vorjahr.
Darunter befanden sich mehr als 19.000 Körperverletzungen sowie 4 vollendete sowie 17 versuchte Morde und 9 vollendete sowie 29 versuchte Totschlagsdelikte im Bereich der Häuslichen Gewalt festgestellt. Insgesamt ging die Zahl zwar von 83 auf 59 Fälle zurück, dennoch kommt es statistisch weiterhin mindestens einmal pro Woche zu einem versuchten oder vollendeten Tötungsdelikt im Kontext häuslicher Gewalt.
Die Landesregierung plant deshalb eine Änderung des Niedersächsischen Polizei- und Ordnungsbehördengesetzes, um in besonders schweren Fällen eine elektronische Aufenthaltsüberwachung von Tätern zu ermöglichen.
Behrens sagte dazu: „Die Zahlen sind erschütternd und zeigen, dass Häusliche Gewalt kein Randphänomen ist, sondern mitten in unserer Gesellschaft stattfindet.“
Mehr Messerangriffe trotz sinkender Gesamtkriminalität
Gegen den allgemeinen Trend sind die Fallzahlen bei Messerangriffen gestiegen. Im Jahr 2025 registrierte die Polizei 3.185 Fälle, ein Anstieg von 4,26 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Mehr als die Hälfte der Fälle waren Bedrohungen mit einem Messer. Gleichzeitig gingen schwere Körperverletzungen mit Messereinsatz zurück.
Um Gewalt im öffentlichen Raum zu reduzieren, sollen Waffen- und Messerverbotszonen weiter ausgebaut werden. Zudem plant das Innenministerium ein landesweites Messer- und Waffenverbot im öffentlichen Nahverkehr.
Behrens erklärte: „Für Gewaltkriminalität jeglicher Form darf es keine Toleranz geben, erst recht nicht, wenn es um den Einsatz von Waffen geht.“
Weniger Straftaten durch junge Menschen
Positiv entwickelt hat sich die Zahl der Straftaten mit tatverdächtigen Kindern, Jugendlichen und Heranwachsenden. Im Jahr 2025 registrierte die Polizei 56.643 aufgeklärte Fälle mit Tatverdächtigen unter 21 Jahren – deutlich weniger als im Vorjahr.
Rückgänge gab es vor allem bei Diebstahl, Sachbeschädigung sowie Rohheitsdelikten.
Innenministerin Behrens betonte jedoch die Bedeutung von Prävention:
„Prävention und frühe Intervention sind entscheidend, um junge Menschen vor kriminellen Karrieren zu bewahren.“
Anteil nichtdeutscher Tatverdächtiger leicht gestiegen
Die Anzahl der deutschen Tatverdächtigen (DTV) hat im Vergleich der Jahre 2024 / 2025 um 3,13 Prozent abgenommen (-4.634, von 148.015 auf 143.381). Im vergangenen Jahr wurden 73.268 Nichtdeutsche Tatverdächtige (NDTV) registriert. Der Anteil nichtdeutscher Tatverdächtiger lag 2025 bei 33,82 Prozent.
Bleiben die ausländerrechtlichen Verstöße unberücksichtigt, ergibt sich eine Anzahl von 64.329 NDTV (2024: 69.166, -4.837, -6,99 Prozent), mit einem Anteil von 32,09 Prozent (2024: 31,86 Prozent) an den Gesamt-Tatverdächtigen. Damit ist diese Personengruppe im Vergleich zu ihrem Anteil an der Gesamtbevölkerung in der PKS überrepräsentiert.
Hier sind hohe absolute Zunahmen insbesondere bei Rumänien im Vergleich zum Vorjahr festzustellen (+218, von 6.822 auf 7.040 TV). Zu den am häufigsten vertretenen Nationalitäten zählen Syrien (-313, von 7.265 auf 6.952 TV) und Polen (-602, von 6.298 auf 5.696 TV), wobei im Vergleich zu 2024 Rückgänge festzustellen sind.
Behrens stellte klar: „Kriminalität ist keine Frage der Nationalität! Das Risiko straffällig zu werden, wird insbesondere von sozioökonomischen Faktoren beeinflusst.“ Sie betonte jedoch auch, dass schwere Straftäter konsequent abgeschoben werden müssten.
Weniger Cannabisdelikte nach Teillegalisierung
Nach der Teillegalisierung von Cannabis ist die Zahl der polizeilich registrierten Delikte in diesem Bereich deutlich gesunken. Die Fallzahlen gingen um mehr als 50 Prozent zurück.
Allerdings geht das Innenministerium weiterhin davon aus, dass ein Teil der Nachfrage weiterhin über den illegalen Markt gedeckt wird.
Behrens sagte: „Es wäre naiv anzunehmen, dass langjährige, professionelle Akteure ihre Aktivitäten nach der Teillegalisierung eingestellt haben.“
Neues Konzept zur Früherkennung von Gewalttaten
Um schwere Gewalttaten frühzeitig zu verhindern, führt die Polizei Niedersachsen ab April 2026 ein neues Früherkennungs- und Bedrohungsmanagement ein. Das Konzept wurde unter Federführung des Landeskriminalamt Niedersachsen entwickelt.
Ziel ist es, potenziell gefährliche Personen frühzeitig zu erkennen und mögliche Anschläge oder Gewalttaten zu verhindern.
Innenministerin Behrens erklärte: „Dort, wo Anzeichen für eine Gefährdung sichtbar werden, reagieren wir konsequent und mit allen rechtlich verfügbaren Mitteln.“

