Barsinghausen/Hohenbostel. Sieben Jahre nach dem Einzug in ihr Eigenheim kämpfen drei Familien in Barsinghausen-Hohenbostel noch immer mit Problemen, die eigentlich längst gelöst sein müssten: Eine unvollständige Erschließung, fehlende Entwässerung und eine Zufahrtsstraße im Provisorium. Während Verkäufer und Stadtverwaltung die Verantwortung vor Gericht klären, bleiben die Betroffenen mit den Folgen allein. Es ist ein festgefahrener Erschließungsstreit – geprägt von Stillstand, fehlender Kommunikation und wachsender Ernüchterung.
Ein Rückblick:
Im März 2024 meldeten sich drei Familien aus Hohenbostel, die ihre Sorge mit Con-nect.de teilten, da ihre neuen Häuser nicht an die Entwässerung angeschlossen wurden. Da die Zufahrtsstraße Eichenweg und eine Stichstraße nicht ausgebaut werden, fließt das Regenwasser seit dem Einzug im Jahr 2019 ungehindert in die Häuser – verantwortlich dafür wollen weder Verkäufer noch die Stadtverwaltung sein.
2018 kauften die drei Familien die Grundstücke in Hohenbostel von der Aue Projektentwicklung. Zur Erschließung der Grundstücke wurde im Mai 2018 eine Baustraße (Schotterweg) eingerichtet. 2019 zogen die Anwohner in ihre Häuser. Die Zufahrtstraße vom Eichenweg gehört der Stadt Barsinghausen. Ein Zwischenstück den Anwohnern. Das Problem: Der Verkäufer ist Erschließungsträger und hat sich für den Ausbau verpflichtet. Die Stadtverwaltung nimmt die bisherigen Maßnahmen jedoch nicht ab – es herrscht Stillstand und man streitet sich vor Gericht. Die drei Familien wurden im Unklaren gelassen, ob und wann es weitergeht.
Ernüchterndes Fazit nach erneutem Vor-Ort-Termin
Insgesamt sieben Jahre sind vergangen – und nichts hat sich bewegt. Im Januar 2025 meldeten sich die betroffenen Familien erneut bei Con-nect. Es folgte nun ein weiterer Besuch vor Ort. Dieses Mal nicht im Regen, sondern bei Eiseskälte und Schnee. Die zentrale Frage: Was hat sich seit dem letzten Besuch im Jahr 2024 verändert?
„Nichts“, ziehen die Familien ein ernüchterndes Fazit. „Es ist schlimmer geworden. Man hat uns sieben Jahre allein gelassen und wir schauen eigentlich nur noch mit Galgenhumor auf die Situation.“
Unzumutbare Zustände bei jeder Witterung
Fließt bei Regen Wasser und Schlamm vom Eichenweg in die Häuser und Garagen, ist bei Eis und Schnee kaum ein Hochkommen möglich. „Der provisorische Schotterweg wird immer schlechter. Wir dürfen ihn nicht ausbessern, aber auch der Verkäufer oder die Stadtverwaltung haben in den letzten Jahren nichts getan“, berichten die Anwohner.
Räumfahrzeuge fahren das kurze Stück zu den Häusern nicht an, da die Stadtverwaltung die Straße bislang nicht abgenommen hat. Eis und Schnee lassen sich auf dem Schotter kaum entfernen.
Müllabfuhr, Beleuchtung und Erreichbarkeit
Auch die Müllabfuhr fährt die Straße nicht an, da die Fahrzeuge auf dem unebenen Untergrund hängen bleiben könnten. Hinzu kommen weitere Probleme: „Es gibt keine Beleuchtung und die Einfahrt zu unseren Häusern ist kaum als solche zu erkennen. Kaum jemand findet uns – was ist, wenn einmal ein Rettungswagen kommen muss?“, sorgt sich eine Mutter.
Ein Vater ergänzt: „Nach sieben Jahren stehen sicherlich auch bald Renovierungsarbeiten an. Doch Lieferanten kommen hier ebenfalls nicht herunter. Eine Waschmaschine wurde einfach oben an der Straße abgestellt. Was ist, wenn wir größere Materiallieferungen benötigen?“
Gefahr für Anwohner und Kinder
Bei winterlichen Bedingungen rutschte jüngst ein Lieferfahrzeug durch die Hecke in einen Vorgarten, da die steile Schotterstraße völlig vereist war. „Wer haftet eigentlich, wenn hier einmal etwas Schlimmeres passiert?“, fragen sich die Familien.
Auch die Kinder seien stark eingeschränkt. „Sie können weder mit Roller noch mit dem Fahrrad die kaputte Zufahrtsstraße nutzen“, bedauern die Eltern. „Man baut sich ein Zuhause mit dem Gedanken, dass die Kinder dort spielen können. Stattdessen laufen sie morgens mit Taschenlampen den dunklen Weg hinauf, um zur Schule zu gehen.“
Keine Rückmeldungen von Verkäufer und Verwaltung
Zurück bleibt große Enttäuschung darüber, dass weder der Verkäufer noch die Stadtverwaltung den Anwohnern entgegenkommen. „Nach sieben Jahren bekommen wir einfach keine Rückmeldung. Stets heißt es, man könne wegen des laufenden Gerichtsverfahrens keine Angaben machen.“ Auch die Con-nect-Redaktion hat in den vergangenen Jahren mehrfach bei der Stadtverwaltung nachgefragt – bislang ohne Ergebnis.
Frust über Prioritäten und fehlenden Dialog
Während sich Verkäufer und Stadt vor Gericht streiten, fühlen sich die Anwohner allein gelassen. „Schön wäre es, wenn man uns zumindest entgegenkommen und den Schotterweg ausbessern würde. Doch seit sieben Jahren ist einfach nichts passiert“, lautet das ernüchternde Fazit. „Die Bescheide über Abgaben, die rechtzeitig bezahlt werden sollen, die kommen hingegen immer pünktlich.“
Hoffnung auf ein Ende des Stillstands
Der Anwalt der Familien riet dazu, alle Vorfälle sorgfältig zu dokumentieren, um gegebenenfalls später Entschädigungen geltend machen zu können. „Wir sind mittlerweile an einem Punkt, an dem wir einfach nur wollen, dass jemand mit uns spricht. Es ist so viel schiefgelaufen – doch nicht einmal der Bürgermeister meldet sich.“ Nach sieben Jahren Ärger und Enttäuschung hoffen die drei Familien einfach nur auf eine positive Entwicklung, damit der Wahnsinn endlich mal ein Ende hat.
Auch auf eine erneute Anfrage der Redaktion äußerte sich die Stadtverwaltung bislang nicht zum aktuellen Sachstand.


