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NABU zeigt Leitfaden zur Hochmoorsanierung auf

Hochmoor. Foto:NABU Jan Piecha.

Hannover – Etwa 38 Prozent der deutschen Moorflächen liegen in Niedersachsen, davon 2.500 km² Hochmoor. Damit ist Niedersachsen das moorreichste Bundesland. Der Moorschutz spielt hier also eine besonders hohe Rolle. Trotzdem wird für die Nutzung im Gartenbau bisher auf rund sechs Prozent der Hochmoorflächen in Niedersachsen Torf abgebaut. Deswegen erarbeitete der NABU Niedersachsen bereits im Jahr 2014 gemeinsam mit dem Industrieverband Garten (IVG) das „Entwicklungskonzept für Hochmoorgebiete unter den Aspekten des Moor- und Klimaschutzes sowie der Rohstoffnutzung“. Das Konzept basiert auf dem Ansatz, dass der abgebaute Torf sowie die daraus entstehenden CO2-Emissionen an anderer Stelle durch Torferhaltungsmaßnahmen und Moorentwicklung kompensiert werden. 2017 wurde es in das niedersächsische Landesraumordnungsprogramm (LROP) und 2022 in das Niedersächsische Naturschutzgesetz integriert..

„Eine Sanierung von Hochmooren ist aus Klima- und Naturschutzgründen notwendig. Daher wurde aus dem NABU-IVG-Konzept nun ein neuer Leitfaden zur Hochmoorsanierung vom Fachbüro Hofer & Pautz GbR für den NABU Niedersachsen entwickelt. Unter einer Hochmoorsanierung wird die Renaturierung von zuvor entwässerten und landwirtschaftlich genutzten Hochmoorstandorten verstanden und nicht die Wiedervernässung von bisher trocken gelegten Mooren, die noch eine heile Haut besitzen. Der Leitfaden richtet sich speziell an Akteure aus der Torfwirtschaft, Kommunen sowie Naturschutzverbände und gibt auf Grundlage des aktuellen Wissensstandes und Erfahrungen aus verschiedenen Projekten eine Handlungsempfehlung für eine erfolgreiche Hochmoorrenaturierung auf solch vorgenutzten Flächen“, erklärt Dr. Holger Buschmann, NABU-Landesvorsitzender.  

Dr. Buschmann weiter: „Der Oberboden über dem Torfkörper ist durch eine landwirtschaftliche Nutzung degradiert und beinhaltet schädliche Rückstände wie Pflanzenschutzmittel oder Dünger. Eine reine Wiedervernässung der Moorflächen würde daher kein Wachstum der entscheidenden Torfmoose und somit keinen Wiederaufbau des Torfes ermöglichen. Auf diese Weise würde auch keine Kohlenstoffsenke entstehen. Für eine erfolgreiche Renaturierung wird der Oberboden zunächst bis zum Torfkörper abgetragen, dann die Fläche mit Torfmoosen beimpft und im nächsten Schritt durch einen Rückhalt des Wassers die Wasserversorgung der Fläche gesichert, das Moor also wiedervernässt. Der Oberboden kann anschließend von Abbauunternehmen für den Gartenbau weiterverwendet werden.“
Intakte Moore sind bedeutende Lebensräume und beherbergen eine einzigartige Artenvielfalt. Sie filtern das Grundwasser und dienen mit ihrer enormen Wasserspeicherkapazität dem natürlichen Hochwasserschutz. Bei starkem Regen oder Überflutungen saugen sie durch ihre enorme Speicherfähigkeit das Wasser auf und geben es erst langsam wieder an ihre Umgebung ab. Im natürlichen Zustand sind Moore CO2-Senken und tragen damit aktiv zum Klimaschutz bei. Doch der größte Teil der niedersächsischen Hochmoore wurde für die landwirtschaftliche Nutzung entwässert und damit zerstört, der über Jahrtausende festgelegte Kohlenstoff als klimaschädliches CO2 freigesetzt. Auch als Lebensraum für eine Vielzahl spezialisierter Arten wie Waldwasserläufer, Moorfrosch und Sonnentau geht das Moor damit verloren.

„Niedersachsen trägt somit hinsichtlich des natürlichen Klimaschutzes durch Moorerhalt eine besondere Verantwortung. Bestehende Moore müssen erhalten und ehemalige Moorflächen renaturiert werden, damit ihre Funktion als Lebensraum für viele bedrohte Tier- und Pflanzenarten wiederhergestellt wird. Im Hobbygartenbereich muss auf ein schnelles Verbot auf Bundes- beziehungsweise EU-Ebene zur Verwendung von Torf hingewirkt werden. Gartenbepflanzung kann mit torffreien Substraten ebenso gut wachsen, wie mit torfhaltigen Erden. Im industriellen Sektor gestaltet sich ein Verbot der Torfnutzung schwieriger: Aktuelle Ersatzsubstrate können mit den nützlichen Eigenschaften von Torf im großen Stil bislang nur schwer mithalten und sind oft ähnlich umweltschädlich. Hier müssen Investitionen in die Forschung und Produktion von nachhaltigen Ersatzstoffen fließen“, so Buschmann.