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Schuleingangsuntersuchungen: Kinder zeigen teils häufiger Auffälligkeiten als während der Corona-Pandemie

Symbolfoto. Quelle: pixabay.

Hannover. Zwar ist der Anteil von Kindern mit Übergewicht und Adipositas seit den Corona-Jahren wieder gesunken, doch in anderen Entwicklungsbereichen hält der Negativtrend der Vorjahre weiterhin an. Hiervon sind insbesondere Kinder aus bildungsfernen Familien betroffen, die häufiger Auffälligkeiten zeigen als zu erwarten gewesen wäre. Das zeigt ein vom Landesgesundheitsamt veröffentlichter Bericht, der Daten von vor, während und nach der Pandemie vergleicht..

Insgesamt zeigen sich die größten Defizite im Bereich der Sprachentwicklung: Statistisch wäre zu erwarten gewesen, dass 23,7 Prozent aller untersuchten Kinder des Einschulungsjahrgangs 2022 Auffälligkeiten zeigen. Tatsächlich konnten diese allerdings bei 25,4 Prozent der Kinder festgestellt werden. Noch deutlicher sind die Unterschiede bei Kindern aus bildungsfernen Familien, bei denen zu erwarten gewesen wäre, dass 34,6 Prozent Defizite in der Sprachentwicklung zeigen. Tatsächlich waren allerdings 43,2 Prozent betroffen (+8,6 Prozentpunkte). Diese Werte sind auch höher als die des Einschulungsjahrganges 2021, obwohl dieser noch stärker von Corona-Maßnahmen wie Kontaktbeschränkungen oder Schließungen von Schulen und Kindertagesstätten betroffen war.

Bei Kindern aus bildungsnahen Familien ist dieser Effekt bei allen untersuchten Kriterien deutlich schwächer – mitunter sind sogar weniger Kinder betroffen als zu erwarten gewesen wäre. Die Werte der Kinder aus Familien mit mittlerem Bildungshintergrund liegen meist leicht oberhalb der erwarteten Werte. Laut NLGA-Präsident Dr. Fabian Feil darf nicht außer Acht gelassen werden, welchen Wert die ärztlichen Untersuchungen für die Kinder haben: „Schuleingangsuntersuchungen sind essenziell für die Entwicklungschancen jedes einzelnen Kindes, unabhängig vom familiären Hintergrund. Nur wenn Entwicklungsdefizite frühzeitig erkannt werden, die möglicherweise bis zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht aufgefallen sind, kann gemeinsam mit den Eltern überlegt werden, welche Unterstützungs- und Förderangebote in Anspruch genommen werden können. Ziel ist es, allen Kindern in Niedersachsen einen optimalen Start in die Schulzeit zu ermöglichen.“

Sozialminister Dr. Andreas Philippi lobt den Bericht des NLGA für seine Erkenntnisse über angehende Erstklässlerinnen und Erstklässler und betont die Notwendigkeit, Defizite aufzuzeigen und konkrete Handlungsbedarfe zu identifizieren: „Dieser vergleichende Bericht liefert wichtige Befunde über die motorischen, mentalen, kognitiven, sprachlichen und sozialen Grundlagen künftiger Erstklässlerinnen und Erstklässler. Ich danke dem NLGA sehr für die geleistete Arbeit! Die Analyse macht Defizite deutlich und zeigt konkrete Handlungsbedarfe auf. Insbesondere die Sprachkompetenz muss noch stärker gefördert werden. Da sehen wir durchaus auch die Elternhäuser noch stärker gefordert. Hierbei geht es auch um altersgerechten Medienkonsum. Der Bericht bestätigt einmal mehr, dass die Entwicklung von Kindern aus verschiedenen Schichten sehr ungleich verteilt ist. Der sozial-ökonomische Hintergrund entscheidet in Deutschland noch immer viel zu stark über die Entwicklungschancen von Kindern und damit auch über erfolgreiche Teilhabe an Bildung und Gesellschaft. Hier gilt es schon zu einem frühen Zeitpunkt präventiv tätig zu werden. Mit dem Angebot der Frühen Hilfen werden Familien bereits ab Beginn der Schwangerschaft bis zum 3. Lebensjahr des Kindes begleitet und unterstützt. Mit weiteren Projekten wie dem „Eltern-Programm Schatzsuche“ der Landesvereinigung für Gesundheit und Akademie für Sozialmedizin Niedersachsen Bremen e. V. sensibilisieren wir schon heute Eltern und pädagogische Fachkräfte für die Bedürfnisse der Kinder. Diesen guten Maßnahmen unbenommen gilt es immer zu überprüfen, mit welchen weiteren Mitteln Kinder und Eltern bestmöglich gefördert und unterstützt werden können.“

Neben dem Gewicht und der Sprachentwicklung wurden unter anderem das Seh- und Hörvermögen sowie die motorischen Fähigkeiten der Kinder untersucht. Die erwarteten Werte wurden auf Grundlage der Daten der „Vor Corona“-Jahre 2015 bis 2019 errechnet. Diesen Daten werden in dem Bericht zum einen die Ergebnisse des stark von Corona-Maßnahmen betroffenen Einschulungsjahrgangs 2021 sowie des weniger stark betroffenen Einschulungsjahrgangs 2022 gegenübergestellt. Es wurden nur die Daten von Kommunen verwendet, die alle Schulanfängerinnen und Schulanfänger vollständig untersucht haben, was auf 15 Kommunen zutrifft. Insgesamt wurden Datensätze von 223.998 Kindern untersucht. Der Bericht mit dem Titel „Ergebnisse der Schuleingangsuntersuchung: Vergleich von Daten ausgewählter Kommunen vor, während und nach der Corona-Pandemie“ kann auf der Homepage des Landesgesundheitsamts heruntergeladen werden: www.nlga.niedersachsen.de/download/206387