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B217 Sanierung in Holtensen wird weite Kreise ziehen – Behörde beugt sich dem Freischießen

Holtensen/Region. Die Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr beabsichtigt die B217 in Holtensen (Wennigsen) zu sanieren. Der Ort wird für Monate nicht durchfahrbar sein – die Umleitung wird Auswirkungen von Springe, über Wennigsen, Pattensen, Hemmingen bis nach Hannover haben. Aufgrund des Freischießens wird der Baustart verschoben.

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Im Wennigser Ausschuss für Feuerschutz, öffentliche Ordnung, Mobilität und Digitales (19. April) haben zwei Vertreter der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr den aktuellen Stand der Pläne der Öffentlichkeit präsentiert. Drei Bauabschnitt sind geplant, um die etwa 450 Meter lange Strecke zu sanieren.

Autobahn-Charakter soll verschwinden

Die B217 soll von vier Spuren auf zwei Spuren reduziert werden. Damit keine Fahrzeuge auf der Fahrbahn parken, sollen Parktaschen eingerichtet werden, auch Bäume und Büsche soll es stellenweise geben. Neben der 6,50 Meter breiten Straße sollen die Gehwege erneuert werden und ein Zweirichtungsradweg auf der westlichen Seite hergestellt werden. Verkehrsinseln sollen das Überqueren erleichtern. Die Maßnahmen sollen den „Autobahn-Charakter“ der Ortsdurchfahrt unterbinden und die Geschwindigkeit deutlich reduzieren und für eine angenehmere Verkehrssituation führen. Auch der Kanal wird erneuert und Leerrohre für Drittanbieter werden eingerichtet.

15.000 Fahrzeuge rollen auf Wennigsen zu

Ausschuss und Besucher begrüßten die Verbesserungen und die Entschleunigung. Für große Sorge sorgten die Pläne zur Umleitung. Rund 15.000 Fahrzeuge durchqueren Holtensen laut Aussage der beiden Behördenvertreter. „Wir haben und mit der Gemeinde und der Straßenbehörde besprochen, doch viele Möglichkeiten blieben uns nicht, um Holtensen zu umfahren“, so der Sprecher der Behörde zur Umleitung. Der PKW-Verkehr wird gesondert umgeleitet und in Steinkrug abgefangen, durch Bredenbeck geführt, weiter nach Argestorf, durch Wennigsen, Lemmie und Auffahrt Weetzen wieder auf die B217.

Der LKW-Verkehr wird großräumiger umgeleitet und soll auf der B217 bei Springe eingefangen und über die Kreisstraße und Landesstraße geführt, durch Gestorf, an der Kreuzung L460 auf die B3 führen, an Pattensen und Hemmingen vorbei nach Hannover leiten. Anlieferungen für Holtenser Betriebe sollen aufrechterhalten bleiben – je nach Bauabschnitt.

Der Bus wird nicht mehr durch Holtensen fahren können, daher wird vor dem Ort (etwa beim Schnellrestaurant) eine Ersatzhaltestelle eingerichtet, die nachts auch beleuchtet sein soll. Von da soll er die normale Schleife über Evestorf fahren. Von Bredenbeck aus soll der Busverkehr über den Süderweg geführt werden. Damit hier nur Busse und landwirtschaftliche Fahrzeuge verkehren, sollen Schranken aufgestellt werden, die wohl nur mit einem Schlüssel zu Öffnen sind.

Die Ausschussmitglieder sahen bei der PKW-Umleitung durch Wennigsen große Probleme. „Vor den Bahnschranken kann sich der Verkehr schon mal bis zu acht Minuten anstauen. Dass mit 15.000 Fahrzeugen pro Tag zusätzlich mag ich mir kaum vorstellen“, gab Joachim Batke (CDU) zu bedenken. Eine Alternative könnte sein, die Baustelle zur Rushhour zu öffnen, um die großen Verkehrsströme nicht vor die geschlossenen Schranken zu schicken. Hans-Jürgen Herr (FDP) brachte die Idee mit ein, dass wenn die Ampel neu eingerichtet wird, doch gleich eine Ampel mit Blitzer angeschafft wird, um die besonders sportlichen Verkehrsteilnehmer zu einer angemessenen Geschwindigkeit zu motivieren. „Wir wissen, dass manche mit bis zu 100 km/h durch Holtensen fahren“, so der Behördensprecher. Die Anregungen der Ausschussmitglieder sollen in weitere Beratungen mit aufgenommen werden.  

Corona 2.0 für das Gewerbe?

Die Behörde rechnet bei der Umleitung mit einem holprigen Start und will die Situation beobachten und im Notfall eingreifen. Ganz andere Sorgen macht sich hingegen die Gewerbetreibenden in Holtensen. Von Juni bis Dezember kein Durchfahrtsverkehr bedeute schlicht, dass über ein halbes Jahr auch keine Kunden kommen werden. „“Da gehen der Gemeinde aber ordentlich Gewerbesteuereinnahmen flöten“, kritisierte Martin Sondermann (CDU Holtensen). Uwe Filter, Inhaber Ferientraum Reisen und Deister Wohnmobile: „Ich wurde gestern Abend durch eine E-Mail informiert. Vorher hat sich niemand gemeldet.“ Die Gewerbetreibenden sehen hier ein Corona 2.0, nur ohne Grund. Sie befürworten eine halbseitige Bauweise, damit Kunden zu den Betrieben kommen können.

„Wir möchten keine Existenznöte schaffen, wissen aber auch, dass so eine Sanierung nicht ohne Einschränkungen möglich ist“, so die Mitarbeiter der Landesbehörde. Man wolle Kontaktdaten austauschen, sei jederzeit ansprechbar und werde auch gerne vor Ort vorbeischauen, um nach Lösungen zu suchen. Ein Bauunternehmen gibt es noch nicht. Die Ausschreibung soll zeitnah erfolgen. Hier wolle man vielleicht entsprechende Vorgaben in die Ausschreibung mit einarbeiten.

Freischießen hat Vorfahrt

Zunächst war der Baubeginn der Maßnahme für den 1. Juni geplant. „Hier in Wennigsen findet ja ein Fest, ähm, das Freischießen statt“, so der Behördensprecher, „Das wollen wir natürlich nicht behindern.“ Der Startschuss für den Bau soll daher zum 20. Juni erfolgen. Die Fertigstellung ist für den Dezember geplant.

Die Kosten liegen derzeit bei etwa 1,7 Millionen Euro. Die Gemeinde wird einen Anteil von etwa 500.000 Euro tragen. Aufgrund der aktuellen Preissteigerungen können sich die Kosten jedoch noch ändern.

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